Im Hintergrund ist ein Spielplatz zu sehen, im Vordergrund ein Schild, das im Sand steckt. Aufschrift: Spielhof Sandoase

Neue Hofgestaltung an der Heerstraße: von allen entwickelt, für alle gedacht

Im Spandauer Quartier Heerstraße Nord hat die Gewobag einem in die Jahre gekommenen Innenhof neues Leben eingehaucht. Eingeflossen sind dabei zahlreiche Impulse aus der Nachbarschaft. Bei der Einweihung zeigt sich: Die AnwohnerInnen haben „ihren“ Hof sofort ins Herz geschlossen.

Seit 22 Jahren wohnt Sevim im Spandauer Quartier Heerstraße Nord. Gerade kommt sie mit zwei anderen Frauen vom Eisstand, an dem an diesem Nachmittag kostenfrei Waffeleis ausgegeben wird. Die drei setzen sich auf zwei Bänke aus hellem Holz, die vor einem Picknicktisch stehen. Nachbarin Hatice hat dort bereits eine violette Decke ausgebreitet. Sevim lächelt, während sie ihr Eis genießt und auf das lebendige Treiben auf dem angrenzenden Sandspielplatz blickt.

Eis, Musik und ein Hof voller Leben

Mitte Juni haben sich über 100 Menschen eingefunden, um die Einweihung des neu gestalteten Hofs zu feiern. Auf dem Spielplatz vergnügen sich Kinder auf Schaukeln und Wippen oder turnen auf Klettergerüsten. In der Mitte steht eine neue Abenteuerlandschaft aus warmem Holz – mit Rutsche und Hängebrücke.

In den angrenzenden Aufenthaltsbereichen halten sich auch die Erwachsenen fit: Eine Frau trainiert am Rudergerät, ein Mann bewegt seine Beine am Pedaltrainer. Andere sitzen auf den neu gestalteten Sitzgelegenheiten im Schatten. Ein Kiezmusiker stimmt im Hintergrund seine Gitarre.

„Ich wohne so gern hier. Durch den Hof hier habe ich meine Nachbarn kennengelernt. Hier kommt man ins Gespräch“, sagt Sevim. Mit ihren vier Kindern zog es sie häufig auf die große Sandfläche, die jedoch lange einer „Sandwüste“ glich.

Vorher: viel leere Fläche auf der „Sandwüste“

Die alten Bilder, die Gewobag-Quartierskoordinatorin Linda Enghusen laminiert und auf einer Steinmauer drapiert hat, zeigen vor allem eines: viel leere Fläche. Auf dem weiten, sandigen Spielareal standen etwas verloren zwei hüfthohe Klettergerüste und ein kleines gelbes Karussell, in den angrenzenden Bereichen ein Spielhäuschen und eine blaue Wippfigur. Die Beete im Innenhof waren verwildert und ausgetrocknet, die abgenutzten Betonbrüstungen, Pflasterflächen und kahlen Bäume gaben dem Hof insgesamt einen in die Jahre gekommenen Eindruck.

Was einmal der beliebteste Treffpunkt für Familien im Quartier war, hatte seit 2021 viel von seiner Anziehungskraft verloren, vor allem durch den Abbau vieler Spielgeräte, die nicht mehr verkehrssicher waren. Dabei birgt der Hof als zentraler Ort mitten in der Nachbarschaft großes Potenzial. Er liegt sonnig, bietet aber dank der großen Bäume auch Schatten. „Die Außenräume sind elementar für die Nachbarschaft“, sagt Linda Enghusen. Deshalb hat die Gewobag auch investiert und das Projekt „Sandwüste“ ohne externe Fördermittel umgesetzt.

Die Nachbarschaft plant mit

Um den Hof wieder zu einem sozialen Treffpunkt und angenehmen Aufenthaltsort zu entwickeln, hat die Gewobag die Anwohnerschaft von Anfang an einbezogen. In einer Beteiligungsaktion vor Ort konnten die BewohnerInnen an Fotostationen festhalten, was sie stört, was sie gut finden und was sie sich wünschen, zugleich sammelten sie ihre Vorschläge in einem Ideenspeicher.

„Wir waren bei der
Beteiligungsaktion dabei
und mir gefällt,
dass vieles
umgesetzt worden ist.“

Sevim,
Gewobag-Mieterin

Dabei entstand nach und nach ein Bild des Hofes als Abfolge unterschiedlicher Bereiche – Zonen, die jeweils eigene Bedürfnisse und Altersgruppen ansprechen. Zu den Wünschen zählten unter anderem Ruheinseln mit Bänken, blühende Stauden, eine Picknickzone und ein abwechslungsreicher Abenteuerspielplatz für Kinder. Daneben standen praktische Anliegen: mehr Sitzmöglichkeiten und Schatten, eine bessere Farbgestaltung und Sportgeräte für Jugendliche und SeniorInnen. Wie ein roter Faden zog sich durch alle Rückmeldungen der Gedanke, dass die Angebote nah beieinanderliegen sollten, damit der Hof zu einem Ort für alle Generationen wird.

„Wir haben viel mit Holz gearbeitet, da es ja schon eine starke Struktur aus Beton gibt, die wir ein bisschen aufbrechen wollten“, sagt Landschaftsarchitektin Inês. Hinzu kamen einige Farbakzente sowie die Integration der drei alten Spielgeräte. „Die Kinder hatten betont, dass sie das gelbe Karussell so mochten, deshalb haben wir die alten Spielgeräte erhalten und nur in der neuen Struktur umplatziert“, sagt Quartierskoordinatorin Linda Enghusen.

Ein Zeichen für das Quartier

„Dass die Gewobag ohne Fördermittel hier investiert hat, ist bemerkenswert“, sagt Christian vom Quartiersmanagement Heerstraße Nord. „Und es ist ein Zeichen dafür, dass eine Wohnungsgesellschaft auch ein benachteiligtes Gebiet im Blick hat.“ Bei der Beteiligungsaktion am 6. März 2025 nahmen 40 Personen teil, darunter AnwohnerInnen aus den anliegenden Häusern. Familien mit Kindern, MitarbeiterInnen von Jugendeinrichtungen, aus dem Quartiersrat, dem Quartiersmanagement und dem Förderverein haben ihre Perspektiven eingebracht, so auch Sevim. „Wir waren bei der Beteiligungsaktion dabei und mir gefällt, dass vieles umgesetzt worden ist“, sagt sie.

„Es ist nicht leicht, alle Interessen auszubalancieren“, sagt Linda Enghusen. „Manche wünschen sich mehr Raum für Zusammenkünfte, andere sehnen sich nach Ruhe.“ Die Ruhezone im schattigen Bereich soll noch weiter ausgebaut werden: Hier wurden gemeinsam mit der Anwohnerschaft bereits Schmuckbeete mit Salbei, Minze, Rosmarin und Staudenpflanzen angelegt. Im Halbschatten gibt es einen separaten Buddelkasten für die ganz Kleinen. Künftig kommen noch spezielle SeniorInnenbänke mit Abstützhilfen und höherer Sitzfläche dazu.

Bewegung für Jung und Alt

Carola und Marian, die mit ihren Yorkshire-Terriern über den Innenhof spazieren, wird das freuen. Sie wohnt seit 17 Jahren im Blasewitzer Ring und wünscht sich einen Raum für die ältere Generation zum Karten spielen und Quatschen mit Bewegung. „Das Rudergerät und der Pedaltrainer sind ein guter Anfang“, sagt sie. „Ich finde es auch schön, dass die Kinder jetzt mehr zum Spielen haben“, ergänzt Marian.

Das gefällt auch Mieterin Ina, deren Sohn Alex gerade eines der kleinen Klettergerüste erklimmt. „Das neue Holzgerüst ist toll und es ist schön, so nah an der Wohnung wieder einen Spielplatz zu haben. Vorher war da ja nichts“, sagt sie. Mit ihren älteren Söhnen war sie noch auf dem Vorgänger-Spielplatz unterwegs.

Acht erwachsene Personen stehen auf einem Spielplatz und lächeln in die Kamera. Eine mittig platzierte Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "Spielhof Sandoase" in die Kamera. Foto: Felix Seyfert
Haben das Projekt realisiert (v. l.): Uwe Hemme (Gewobag), Inês Abreu (SZP Landschaftsarchitekten), Andreas Keifler (Wisag), Roman Machon (SZP Landschaftsarchitekten), Linda Enghusen, Bastian Birkenstock, Mark Ansorge und Steffen Matzkowitz (alle Gewobag). Foto: Felix Seyfert

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Geblieben ist ein anderes Problem: Immer wieder landet Müll auf dem Hof, außerdem wird er zum Teil von Menschen genutzt, die nicht im Quartier wohnen. Vor Kurzem sei Hatice dazwischen gegangen, als eine Dame, die niemand aus der Nachbarschaft kannte, eines der Kinder angeschrien habe. „Ich finde es wichtig, dass wir uns umeinander kümmern und dass wir immer sauber machen, egal wo wir hingehen“, sagt Hatice. Kürzlich habe eine Freundin allen Kindern aus der Nachbarschaft einen Stock und eine Mülltüte gegeben und sie haben sich selbst um ihren Hof gekümmert.

Die höhere Identifikation der Anwohnerschaft mit dem gemeinsam gestalteten Hof war eines der Ziele des Partizipationsprojektes, an dem neben der direkten Anwohnerschaft die Jugendträger Outreach, Staakkato und Steig, das Quartiersmanagement, der Quartiersrat, die Aufsuchende Seniorenarbeit und die Familienwohnung im Kiez beteiligt waren.

Wenn Kinder mitgestalten

„Einige Kinder haben mir kürzlich erzählt, dass der Spielplatz, an dem sie ihre Zettel ausgefüllt haben, jetzt viel schöner aussieht und viele von den damals geäußerten Wünschen umgesetzt sind“, erzählt Ivanka, Mitarbeiterin der Familienwohnung im Kiez. „Für die Kinder ist es sehr wertvoll zu merken, dass sie gefragt werden und mitgestalten können“, sagt sie.

Das erste Partizipationsprojekt dieser Art fand 2023 statt. „Was mich auch begeistert, ist das Tempo solcher Projekte: In kurzer Zeit entsteht etwas Sichtbares, und dieser Fortschritt macht einfach ein gutes Gefühl“, sagt Ivanka. Im März 2025 fand das erste Auftakttreffen statt, Anfang April stand der Entwurf und im Oktober 2025 war Baubeginn.

Bauleiter Andreas von der Wisag hat den gesamten Prozess begleitet. „Es ist schön, wenn alles so frisch und neu aussieht, und es freut mich, dass der Platz so gut angenommen wird“, sagt er. Genau wie Sevim, Hatice, Linda, Christian und Ina betont er: „Besonders schön wäre es, wenn es lange so bleibt.“

Titelfoto: Felix Seyfert

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