Ein Frau steht im Freien auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund ist ein großes Bild eines Neubaus zu sehen, dazu der Schriftzug: Wir gestalten die Stadt - in Modulbauweise. Foto: City-Press GmbH

Modulbau an der Landsberger Allee: „Ein Leuchtturm für das ganze Land“

Schnell, bezahlbar, nachhaltig: Bundesbauministerin Verena Hubertz lobt das Modulbau-Quartier der Gewobag als Vorzeigeprojekt einer neuen Bauindustrie. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sieht im Konzept neue Chancen für den angespannten Wohnungsmarkt.

Diese Baustelle hat nicht nur Wohnmodule zum Schweben gebracht, sie beflügelt auch die Fantasie. Verena Hubertz greift in ihrer Rede an der Landsberger Allee jedenfalls zu bildhaften Worten. „Heute zeigen wir nicht nur, dass man Berge versetzen kann“, sagt die Bundesbauministerin auf dem Stapelfest der Gewobag im Mai, „wir zeigen auch, dass Wohnungen fliegen können.“

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Wenig später wird das letzte der rund 3.000 Raummodule per Kran an seinen Platz gehievt. Gewissermaßen ein Schlussstein, ganz sicher aber ein Meilenstein. „Das ist ein Nachweis, wie schnell wir in Deutschland und Berlin bauen können“, betont Hubertz. „Hier wurde in vier Jahren durchgezogen, was sonst viel länger dauert.“   

Wohnraum für kleine und mittlere Einkommen

Das Interesse an dem Pilotprojekt ist enorm – und das nicht nur wegen der Dimensionen. Mit 1.548 Wohnungen zählt das künftige Gewobag-Quartier zu den größten Modulbauprojekten Europas, doch Neugier weckt vor allem das Konzept. Mit dem Projektpartner DaiwaHouse Europe wurde in Lichtenberg nicht Stein auf Stein gebaut, sondern Wohnung auf Wohnung, mit vorgefertigten Raummodulen, die vor Ort im Baukastenprinzip zusammengesetzt werden.

Statt eines herkömmlichen Richtfests wird daher ein sogenanntes Stapelfest gefeiert, aber auch sonst fühlt sich das Großprojekt anders an, ungewohnt und ein wenig experimentell, vor allem aber zukunftsorientiert. Der Besuch der Bundesbauministerin ist daher kein Zufall. Das modulare Bauen gilt als vielversprechende Antwort auf den angespannten Wohnungsmarkt. Neben dem Bautempo wecken vor allem die gut kontrollierbaren Baukosten Hoffnung. „Hier trifft Innovation auf Effizienz“ hebt Hubertz hervor. „Mit 2.700 Euro pro Quadratmeter liegen die Baukosten deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4.300 Euro.“

Profitieren sollen davon vor allem die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner. An der Landsberger Allee liegt die Einstiegsmiete bei sieben Euro pro Quadratmeter. Knapp 90 Prozent der Wohnungen sind gefördert, also für Menschen mit Wohnberechtigungsscheinen vorgesehen. Der Fördermix umfasst dabei auch Wohnungen für InhaberInnen des neuen WBS 220, der Menschen mit mittleren Einkommen die Chance auf bezahlbare Mieten einräumt. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.300 Euro kann sich an der Landsberger Allee eine Zwei-Raum-Wohnung für 860 Euro sichern.  

Als Kai Wegner auf dem Stapelfest zum Mikro greift, schwingt durchaus ein wenig Stolz mit. „Innovatives und schnelles Bauen ist möglich in Deutschland“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister. „Wir machen’s in Berlin vor – auch dank unserer starken städtischen Wohnungsgesellschaften. Dieses Konzept kann helfen, dem großen Thema bezahlbarer Wohnraum erfolgreich zu begegnen.“

Ganzheitliche Quartiersentwicklung

Es entstehe ein tolles Zukunftsquartier mit Infrastruktur, die man braucht. „Kinder können hier miteinander spielen, und Menschen sich begegnen“, sagt Wegner. Auf der vormaligen Brachfläche entstehen neben Wohnungen auch Grünanlagen, eine Kita und verschiedene Gewerbeeinheiten, nicht zuletzt für einen großen Nahversorger. Eine ganzheitliche Quartiersentwicklung, die den Standort mit Leben füllen wird.

Wie das Wohnen vor Ort aussehen kann? Das zeigt ein voll ausgestattetes Ausstellungsmodul, das die BesucherInnen beim Stapelfest mit Neugier besichtigen. Von Bad und Küchenzeile über das Mobiliar bis zu Vorhängen, Lampen und Blumendeko – im eingerichteten Zustand ist kein Unterschied zu konventionellen Wohnungen spürbar.

Ein Rundgang durch ein fertig „gestapeltes“ Gebäude bestätigt den Eindruck. Je nach Typ besteht eine Wohnung aus bis zu fünf Modulen, die über Stahlrahmen miteinander verschraubt sind. Technische Leitungen sind dort längst gekoppelt, Fugen geschlossen, Brandschutz, Schall- und Wärmedämmung wurden ebenfalls mitgedacht. Durch smarte, funktionale Grundrisse entsteht eine bemerkenswerte Raumwirkung, nicht selten ergänzt durch Balkone.

Vermietungsstart ab September 2026

Eins bleibt bei der zukunftsträchtigen Bauweise jedoch unverändert. Im Mittelpunkt stehen die Menschen. Für Manabu Hirabayashi, CEO von Gewobag-Projektpartner DaiwaHouse Europe, steht fest: „Diese Gebäude sind mehr als ihre Bausubstanz. Es sind Zuhause, in denen Menschen leben und sich eine Zukunft aufbauen.“

Dies zu ermöglichen, wird ohne smarte Konzepte wie das modulare Bauen zunehmend schwierig, sei es wegen steigender Kosten oder fehlender Fachkräfte. Der Bedarf bleibt indes ungebrochen hoch. „Berlin ist nach wie vor eine wachsende Stadt“, betont Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, „deshalb ist es wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu sichern.“ In Lichtenberg wird davon künftig mehr zur Verfügung stehen. Ab September 2026 sollen die ersten Wohnungen in die Vermietung gehen, die Gesamtfertigstellung des Quartiers ist Anfang 2027 geplant.

Eine Universallösung ist das modulare Bauen zwar nicht, und natürlich läuft bei derart neuen Verfahren nicht auf Anhieb alles perfekt. Nichtsdestotrotz: Das Potenzial ist spürbar. „Das hier ist ein Leuchtturm“, sagt Bundesbauministerin Verena Hubertz gegen Ende ihrer Rede, „solche Projekte braucht es überall im ganzen Land.“ Kai Wegner sieht es ähnlich. Der Regierende Bürgermeister ist sich sicher: „Das war mein erstes, aber bestimmt nicht mein letztes Stapelfest.“ Viel Fantasie braucht es dafür nicht.

Starke Förderung für bezahlbaren Wohnraum

Die niedrigen Kaltmieten an der Landsberger Allee werden durch Mittel der sozialen Wohnraumförderung ermöglicht. „Wir haben die Bundesmittel in dieser Legislatur auf eine Rekordsumme von 23 Milliarden Euro erhöht, und das Land Berlin zieht mit“, betont Bundesbauministerin Verena Hubertz. „Genau deswegen können hier diese Wohnungen entstehen: Weil wir Bundes- und Landesmittel bündeln und eine kommunale Wohnungsgesellschaft haben, die das Ganze mit einem starken Partner umsetzt.“

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Titelfoto: City-Press GmbH

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