Aus kleinen Collagen wird große Kunst 20. Oktober 2026Lesedauer: 3 Min. Artikel anhören Player schließen In der Charlottenburger Paul-Hertz-Siedlung ist durch das Mitwirken von SchülerInnen eine weitere markante One Wall entstanden. Die Einweihung zeigt: Das Bild verströmt verbindende Kraft – und transportiert eine wichtige Botschaft. Das freundliche Herbstwetter der vorherigen Tage hatte sich zwar weitgehend verabschiedet, doch pünktlich zum Beginn der Einweihungsveranstaltung kommt vor der neuen One Wall in der Charlottenburger Paul-Hertz-Siedlung die Sonne hervor. Die Regenschirme können an diesem Donnerstagvormittag Anfang Oktober in den Taschen bleiben – stattdessen erkunden die rund 80 Gäste, die sich auf der kleinen Grünfläche an der Ecke Delpzeile/Bernhard-Lichtenberg-Straße eingefunden haben, das Fassadenkunstwerk mit neugierigem Blick und hören bei den folgenden Reden aufmerksam zu. Was es mit diesem besonderen Wandgemälde des Künstlers Dima Korma auf sich hat? Die wichtigsten Fragen und Antworten. Jetzt Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen! E-Mail Ich stimme zu, dass die Gewobag mir per E-Mail den Newsletter zusendet und dabei die auf mich bezogenen Nutzungsstatistiken auswertet. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Abonnieren Was zeigt das Kunstwerk? Kormas collagenartige One Wall erstreckt sich über vier der fünf Geschosse des Hauses Delpzeile 4. Zu sehen sind unter anderem ein Porträt des katholischen Geistlichen Bernhard Lichtenberg, seine Unterschrift, ein Blumenmotiv sowie als weiteres zentrales Element ein Zitat von ihm: „Ich bekämpfe falsche Grundsätze, aus welchen falsche Tatsachen entstehen müssen (…)“. Wer war Bernhard Lichtenberg? Der katholische Priester, geboren 1875 in Ohlau/Schlesien, war Dompfarrer sowie Dompropst in Berlin. Lichtenberg setzte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten öffentlich für verfolgte Juden und andere Opfer des Regimes ein. 1941 wurde er verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach dem Ende der Haft sollte er ins Konzentrationslager Dachau gebracht werden. Er verstarb während des Transports am 5. November 1943 in Hof. Im Jahr 1996 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig. Wer war bei der Gestaltung beteiligt? Gestaltet hat das Wandgemälde der in Berlin lebende Künstler Dima Korma (1988 in der Ukraine geboren). Korma hatte zuvor mehrtägige Workshops mit Schülerinnen und Schülern der quartiersnahen Anna-Freud-Schule durchgeführt. Zwölftklässlerin Leandra Gürgen war Teil des Projekts. „Einige von uns haben zum ersten Mal von Bernhard Lichtenberg gehört“, sagt sie, „aber uns ist schnell klar geworden, was für eine besondere Person er war.“ Künstler Korma betont: „Besonders wichtig war es mir, die in den Workshops entstandenen Ideen aufzugreifen und in eine eigene künstlerische Sprache umzusetzen.“ In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath In einem Workshopformat haben SchülerInnen der Anna-Freud-Schule das Wandmotiv mitentwickelt. Foto: Ludger Paffrath Warum ist es wichtig, an Bernhard Lichtenberg zu erinnern? „Das Mural erinnert uns an einen Menschen, der Haltung gezeigt hat, als Haltung Mut erforderte“, sagt Daniel Aschheim, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der israelischen Botschaft in Berlin. Schüler Levi Schaufert hebt hervor: „Für Bernhard Lichtenberg durfte es keinen Unterschied machen, welchen Glauben ein Mensch hatte. Wenn Menschen verfolgt, unterdrückt oder getötet wurden, gebot sein Glaube zu helfen. Das tat er immer und immer wieder.“ Welchen Hintergrund hat das Kunstwerk? Die One Wall für Bernhard Lichtenberg ist die vierte dieser Art im Quartier. Es gibt sie bereits für das Ehepaar Harald und Dorothee Poelchau, Maria Terwiel und die Familie Heilmann. Das Projekt fand im Rahmen der Kooperation zwischen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, der israelischen Botschaft und der Gewobag-eigenen Stiftung Berliner Leben statt. Wie sind die Reaktionen aus der Nachbarschaft? Sehr positiv. Margrit Reismann-Domrös und Peter Krug wohnen seit Jahrzehnten in der Nähe. Reismann-Domrös sah am Vormittag vom Balkon aus, dass die Einweihung schon läuft und kam schnell herüber: „Ich finde es toll, dass es diese Bilder gibt und die mutigen Menschen nicht vergessen werden.“ Sabine Sieg (Gedenkstätte Deutscher Widerstand) bei ihrer Rede zur Einweihung der Bernhard-Lichtenberg-One-Wall in der Paul-Hertz-Siedlung. Foto: Ludger Paffrath Daniel Aschheim (Israelische Botschaft in Berlin) im Gespräch mit Constanze von Marlin (Stiftung Berliner Leben) und Christine Müller-Botsch (Gedenkstätte Deutscher Widerstand). Foto: Ludger Paffrath Krug, der im Mieterbeirat Charlottenburg-Nord tätig ist, wünscht sich sogar Führungen zum Thema, „damit die Leute noch mehr über die Geschichte zu den Wandbildern erfahren“. Auch Monika Matthes aus der Delpzeile würde es „sehr begrüßen, wenn noch weitere Bilder entstehen“. Zudem hat sie beobachtet, dass die drei bereits existierenden One Walls nach wie vor in ihrer ursprünglichen Form zu sehen sind – ohne Graffiti oder Kritzeleien. Was ist das Besondere an den One Walls? Statt in Museen ist Kunst durch One Walls im öffentlichen Raum sichtbar. „Erinnerungskultur findet hier im Alltag der Menschen im Quartier statt“, sagt Constanze von Marlin von der Stiftung Berliner Leben. Auch Christine Müller-Botsch, stellvertretende Direktorin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sieht in der Fassadenkunst Anregung „zum Gespräch über die Vergangenheit und die Gegenwart“. Darüber hinaus haben One Walls das Potenzial, die Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Quartier zu stärken – gerade dann, wenn die Menschen vor Ort an der Entstehung beteiligt sind. Künstler Dima Korma bei der Umsetzung der Bernhard-Lichtenberg-One-Wall in der Paul-Hertz-Siedlung. Foto: Ludger Paffrath Künstler Dima Korma bei der Umsetzung der Bernhard-Lichtenberg-One-Wall in der Paul-Hertz-Siedlung. Foto: Ludger Paffrath Die One Wall zu Bernhard Lichtenberg im Haus an der Delpzeile 4. Foto: Ludger Paffrath Was lässt sich aus der Geschichte für die Gegenwart lernen? Zum Ende ihres Redebeitrags sagt Schülerin Leandra Gürgen mit Blick auf das Leben Bernhard Lichtenbergs: „Mut bedeutet, trotz Angst das Richtige zu tun. Wir können die Vergangenheit nicht verändern, aber entscheiden, wie wir aus ihr lernen und die Gegenwart gestalten. Wir können uns dafür entscheiden, nicht wegzuschauen, Menschen mit Respekt zu begegnen und aus den richtigen Grundsätzen heraus zu handeln.“ Titelfoto: Ludger Paffrath
Wer war Bernhard Lichtenberg? Der katholische Priester, geboren 1875 in Ohlau/Schlesien, war Dompfarrer sowie Dompropst in Berlin. Lichtenberg setzte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten öffentlich für verfolgte Juden und andere Opfer des Regimes ein. 1941 wurde er verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach dem Ende der Haft sollte er ins Konzentrationslager Dachau gebracht werden. Er verstarb während des Transports am 5. November 1943 in Hof. Im Jahr 1996 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig.
Ein Bild, das bleibt – und Zivilcourage sichtbar macht Diese Wand steckt voller Mut und Ideen! Die neue One Wall in der Charlottenburger Paul-Hertz-Siedlung ist nicht nur ein Blickfang, sondern verkörpert auch Haltung. Schon der Entstehungsprozess zeigt: Das Kunstwerk löst etwas in Menschen aus.
Nächste One Wall in Spandau: Großes Eis an der Wand, kleines Eis in der Hand Vier Beteiligungsevents, Input von mehr als 150 Nachbarinnen und Nachbarn: Mit einem gigantischen Fassadenkunstwerk hat das Quartier Falkenhagener Feld Ende August einen neuen Anstrich bekommen. Bei der Einweihung wird deutlich: Hier geht's um weit mehr als um bunte Farben.