Szene auf einem öffentlichen Platz: Mehrere Frauen mit und ohne Kopftüchern sitzen an einer langen Tafel und unterhalten sich. Foto: Britta Leuermann

Kultursommer am Mehringplatz: Neue Impulse für das Quartiersleben

Zehn Wochen lang bringt der Kultursommer Marktstände, Musik und Mitmachaktionen auf den Mehringplatz und verleiht dem Quartier eine frische Atmosphäre. Was die Events so besonders macht? Das zeigt ein Besuch vor Ort.

Der Mehringplatz zeigt sich von seiner sonnigen Seite. Zwischen bunten Wimpeln, einer langen Tafel mit Kuchen und einer kleinen Bühne treffen sich Familien, Nachbarinnen und Nachbarn an einem Nachmittag, der Ende Mai schon sehr sommerlich wirkt. Kinder werden an Schminktischen zu Tigern und Feen, das Gewobag-Spielmobil lockt mit Zielwerfen und überdimensionalem Vier-Gewinnt-Spiel. Einer der Marktstände duftet nach Käsebällchen, später gibt’s Tango und eine Kinderbuchlesung.

Für den „Kultursommer am Mehringplatz“ ist ein typischer Tag. Zehn Wochen lang findet das Event in diesem Jahr statt, vom 30. April bis 9. Juli – jeden Donnerstag am Rondell zwischen dem Kreuzberger U-Bahnhof Hallesches Tor und südlichem Ende der Friedrichstraße. Für das Quartier ist die Veranstaltungsreihe ein spürbarer Gewinn, denn nicht immer geht es hier so farbenfroh und lebendig zu wie an den Kultursommer-Donnerstagen beim Wochenmarkt (10 bis 18 Uhr) und dem Familien- und Kulturprogramm (15 bis 20 Uhr).

Vielfältiges Programm

„Wir konnten gar nicht vorbeigehen, die bunten Farben haben uns angelockt“, sagt Christa, eine Anwohnerin, die mit ihrem Enkel unterwegs ist. Er lässt sich gerade schminken, später gehen sie dann gemeinsam zu einer Comiclesung für Kinder. Tango-Musiker bauen da schon ihre Instrumente auf. Musikalische Angebote am frühen Abend ab 18 Uhr gehören hier zum Standard-Kulturprogramm.

„Der Platz ist so groß – da macht es Sinn, Kultur herzubringen und Angebote für den Nachmittag zu schaffen“, sagt Merle Brüser. Sie ist als Quartierskoordinatorin der Gewobag vor Ort und begrüßt viele bekannte Gesichter. „Wir haben hier viele Wohnungen und kümmern uns nicht nur darum, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sondern auch darum, die Aufenthaltsqualität zu stärken“, sagt sie.

Zusammenspiel vieler lokaler AkteurInnen

Die Kultursommer-Reihe wird von der Kooperative Südliche Friedrichstadt und der Agentur Stadtkontor als Sanierungsbeauftragtem organisiert. Lokale Partner wie die Gewobag unterstützen die neue Aktion. Yoga im Kiezgarten, ein medienpädagogisches Mobil der Stadtbibliothek Kreuzberg mit VR-Brillen und KI-Malerei sowie ein Arche-Noah-Mobil vom Jüdischen Museum gehören zu den Highlights.

„Der Gedanke ist,
Leben in den öffentlichen Raum
zu bringen und Gewerbe
am Standort zu stärken.“

Uwe Hackmann,
Geschäftsführer Stadtkontor

„Man kommt mit Leuten ins Gespräch“, sagt Candy Hartmann vom Quartiersmanagement, eine der vielen Organisatorinnen, die das Fest auch nutzen, um Präsenz zu zeigen. Dazu brauche es – trotz der Werbebanner hier – Direktansprache und Mund-zu-Mund-Propaganda. Wie viele BesucherInnen kommen, hängt auch vom Wetter ab. An sehr sonnigen Tagen zieht es viele Menschen ins benachbarten Freibad.

„Der Gedanke ist, Leben in den öffentlichen Raum zu bringen und Gewerbe am Standort zu stärken“, erklärt Uwe Hackmann, Geschäftsführer von Stadtkontor. Er blickt auf die Marktstände entlang der Friedrichstraße: Obsthändler und Spezialitäten mischen sich dort mit Infoständen lokaler Initiativen.

Mehr Angebote, mehr Austausch

„Wir wollen den Mehringplatz als Stadtteilzentrum wieder ein Stück nach vorne bringen“, sagt Hackmann, räumt aber ein, dass die öffentlich geförderte Veranstaltungsreihe ein Kraftakt ist und Fortführung in der Form von weiteren Ressourcen abhängt; auch wenn er es sich wünschen würde. „Wir haben dieses Jahr zehn Wochen aufgelegt“, sagt er. „Am Ende schauen wir, was weitergeführt werden kann. Vielleicht nicht in dieser Intensität, aber in ähnlicher Form, die somit nachhaltig wirkt.“

Bis dahin bieten die Kultursommer-Donnerstage auf dem Mehringplatz einen tollen Rahmen, in dem Kuchen geteilt werden kann, Kinder viele Spielmöglichkeiten finden und Menschen miteinander ins Gespräch kommen, sodass im Quartier ein buntes Sommergefühl entsteht. Anwohnerin Christa ist optimistisch, dass diese Momente abfärben: „Auf jeden Fall gefällt mir das. Die Nachbarn sitzen zusammen und unterhalten sich – so etwas darf es gern öfter geben.“

Titelfoto: Britta Leuermann

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