Mutter und Tochter laufen über eine Wiese und lassen einen Drachen steigen. Foto: Getty Images

Drachensteigen in Berlin: Wie und wo das Abenteuer gelingt

Herbstzeit ist Drachenzeit: Wenn der Wind die Äste an den Bäumen zum Schwingen bringt, träumen viele Berliner Kids davon, Drachen steigen zu lassen. Tipps, Tricks und die besten Orte für eine der schönsten Outdooraktivitäten im Herbst.

Sonne scheint durch bunte Blätter, der Wind frischt auf: Der Herbst ist perfekt, um in Berlin Drachen steigen zu lassen. Doch an welchen Orten macht der Herbstspaß besonders viel Freude? Hier kommen ein paar Klassiker und ein Geheimtipp, doch vorab ein paar hilfreiche Informationen für EinsteigerInnen.

Die Wahl des Drachens: Tipps für EinsteigerInnen

Kinder ab etwa fünf Jahren können bereits gut mit einem dreieckigen Deltadrachen oder einem Drachen in Rautenform umgehen. Aufgrund ihrer relativ großen Fläche steigen diese leicht auf. Für das Vorschulalter gilt, dass die Breite des Deltadrachens einen Meter nicht übersteigen sollte, während für die maximale Länge des Rautendrachens etwa ein halber Meter gilt. Flachdrachen kommen in der Regel mit einer Leine aus. Für jüngere Kinder sind 50 bis 60 Meter lange Leinen absolut ausreichend.

Lenkdrachen kommen ab einem Alter von zwölf Jahren infrage. Sie erfordern einen größeren Kraftaufwand, dafür lassen sich mit den beiden Leinen exakte Figuren fliegen.

Zwei junge Männer lassen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin einen Drachen steigen. Foto: Adobe Stock
Die große Freifläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof bietet ideale Bedingungen, um in Berlin Drachen steigen zu lassen. Foto: Adobe Stock

Auch wenn das Basteln von Drachen äußerst beliebt ist, sollten gerade AnfängerInnen auf ein stabiles Modell aus dem Handel setzen. Wer seinen Drachen in Berlin steigen lassen will, hat mehrere Anlaufstellen für den Kauf des Fluggeräts: Kinderdrachen kosten etwa zwischen 15 und 40 Euro und sind in Ladengeschäften wie Flying Colors in Schöneberg, Decathlon oder vielen anderen Anbietern zu finden.

Drachen selber basteln: In 7 Schritten zum Flugobjekt

Wer keinen fertigen Drachen kaufen möchte, baut ihn einfach selbst. Der Klassiker dafür ist der Rautendrachen, auch Eddy genannt. Er besteht aus zwei Holzleisten, Papier und Schnur. Mehr braucht es nicht. Alle Materialien gibt es im Baumarkt und im Bastelladen für zusammen unter zehn Euro. Ein verregneter Nachmittag reicht für den Bau, der nächste windige Tag für den ersten Flug.

Das Material

  • zwei Vierkantleisten aus Fichte oder Kiefer, etwa 90 und 70 Zentimeter lang und rund 1 Zentimeter stark
  • Drachen- oder Transparentpapier (alternativ Seidenpapier oder eine stabile Folie)
  • feste Drachenschnur mit Griff
  • Paketschnur oder Zwirn für das Gerüst
  • Klebstoff, Gewebeband, ein kleiner Metallring, Schere, Lineal, Stift und ein Taschenmesser oder eine kleine Säge
  • Krepppapier oder bunte Papierreste für den Schwanz

Schritt eins: Leisten vorbereiten

An allen vier Enden der Leisten mit Messer oder Säge eine kleine Kerbe einschneiden. Darin hält später die Spannschnur, die dem Drachen seine Form gibt.

Schritt zwei: Das Kreuz binden

Die kürzere Leiste quer auf die längere legen, etwa ein Viertel unterhalb des oberen Endes. Bei einer 90-Zentimeter-Leiste sitzt die Querleiste also nach etwa 25 Zentimetern. Die Kreuzung mit Schnur kreuzweise fest umwickeln und verknoten. Ein Tropfen Holzleim macht die Verbindung dauerhaft stabil, Gewebeband verstärkt sie zusätzlich.

Schritt drei: Spannschnur ziehen

Die Schnur einmal außen um das Gerüst führen, dabei in jede Kerbe einlegen und straff verknoten. Jetzt zeigt sich die typische Rautenform. Das Grundgerüst steht.

Schritt vier: Papier zuschneiden und bespannen

Das Gerüst auf das Papier legen und die Form mit etwa drei bis fünf Zentimetern Zugabe rundherum ausschneiden. An den Ecken das Papier leicht einschneiden, die Ränder über die Spannschnur klappen und festkleben. Wichtig: Das Papier soll glatt und leicht gespannt aufliegen, aber nicht unter Zug stehen, sonst reißt es beim ersten Windstoß.

Schritt fünf: Die Waage anbringen

Die sogenannte Waage verbindet Drachen und Flugschnur. Dafür zwei kleine Löcher in das Papier stechen und mit Klebeband verstärken: eines knapp über der Kreuzung, eines im unteren Drittel der Längsleiste. Durch beide Löcher eine Schnur führen, an der Leiste festknoten und in die entstandene Schlaufe den Metallring einbinden. Sitzt der Ring verschiebbar auf der Schnur, lässt sich das Flugverhalten später fein justieren.

Schritt sechs: Der Schwanz

An das untere Ende eine zwei bis drei Meter lange Schnur knoten und alle 30 Zentimeter eine Papierschleife befestigen. Der Schwanz ist nicht nur Zierde: Er stabilisiert den Drachen im Wind und verhindert, dass er trudelt.

Schritt sieben: Probeflug und Feinschliff

Die Drachenschnur an den Ring knoten, dann ist der Drachen startklar. Ideal für den ersten Start sind Windstärken zwei bis vier, also spürbarer, aber nicht stürmischer Wind. Trudelt der Drachen, hilft ein längerer oder schwererer Schwanz. Kippt er zur Seite oder steigt nicht richtig, den Ring an der Waage ein Stück nach oben oder unten schieben. Meist genügt ein wenig Nachjustieren, bis der Eigenbau ruhig am Himmel steht.

Sicher steigen lassen

Auch beim selbst gebauten Drachen gelten die Grundregeln: ausreichend Abstand zu Stromleitungen, Straßen, Bahngleisen und Bäumen halten. Bei Gewitter bleibt der Drachen am Boden, denn die Schnur kann Blitze leiten. Die Leine darf in Deutschland maximal 100 Meter lang sein, bei kräftigem Wind schützen Handschuhe vor Schnittverletzungen. Und auf gut besuchten Wiesen wie dem Tempelhofer Feld gilt: genug Platz zu anderen DrachenpilotInnen lassen.

Drachensteigen in Berlin: Die besten Orte

Obwohl eine Großstadt auf den ersten Blick nicht die perfekten Bedingungen bietet, gibt es in Berlin viele Orte, die hervorragend zum Drachensteigen geeignet sind. Bei der Auswahl des Geländes gilt die Faustformel: je größer desto besser. Außerdem sollte das Areal frei von Hindernissen sein, denn diese muss der Wind erst umströmen. Selbst ein einzelner Baum sorgt dafür, dass der Wind in bis zu 50 Metern Höhe verwirbelt wird, was das Lenken enorm erschwert. Ebenso muss sichergestellt sein, dass der Drachen nicht niedrig über andere Menschen oder Straßen gleitet.

Der Klassiker: Tempelhofer Feld

Auf dem Tempelhofer Feld präsentierte das Festival der Riesendrachen im September farbenfrohe Superhelden und tierische Formen, die abhoben. Auch wenn sich hierbei Europa- und Weltmeister des Drachensports in Szene setzten – die riesige Freifläche stellt auch ideale Bedingungen für EinsteigerInnen und Fortgeschrittene dar. Nicht ohne Grund gehen hier selbst außerhalb der Herbstsaison viele Menschen ihrem Drachenflug-Hobby nach.

Adresse: 
Tempelhofer Feld, Eingang Tempelhofer Damm oder Columbiadamm

Klassiker Nummer zwei: Drachenberg

Auch der kleine Nachbar des Teufelsbergs zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Orten des Drachensteigens. Das Plateau des 99 Meter hohen Drachenbergs ist vom Parkplatz Teufelsseechaussee gut zu erreichen, auch wenn der Aufstieg mit 280 Stufen etwas Kondition erfordert. Neben der tollen Aussicht erfolgt die Belohnung in Form idealer Bedingungen: Es weht stets ausreichend Wind und anders als auf dem etwas höheren Teufelsberg sorgen hier keine Bäume für Verwirbelungen.

Adresse:
Teufelsseechaussee 2 in Zehlendorf

Sechs Drachen fliegen in Berlin über dem Teufelsberg im Abendlicht. Foto: Adobe Stock
Drachen im Abendlicht über der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg. Foto: Adobe Stock

Der Filmstar: Hahneberg in Spandau

Hoch hinaus geht es auch in Spandau, nämlich auf dem Hahneberg, den es gleich zweimal gibt. Der Neue Hahneberg wurde künstlich aus einer ehemaligen Kiesgrube geschaffen. Etwa 900 Meter nordwestlich befindet sich die 67 Meter hohe, natürliche Erhebung Alter Hahneberg. In den historischen Festungsanlagen des Fort Hahneberg drehte Quentin Tarantino einige Szenen seines Films „Inglorious Bastards“. Die Fläche zum Drachensteigen ist verhältnismäßig klein, was aber durch gute Windverhältnisse kompensiert wird.

Adresse:
Hahnebergweg 50 in Spandau

Der Nordberliner: Freizeitpark Lübars

Auch Drachensteigen in Berlins Norden ist möglich. Rund um die Lübarser Höhe finden sich großzügig angelegte Freiflächen, sodass der Freizeitpark Lübars an der Schnittstelle von Reinickendorf und Pankow vor allem bei ortsansässigen Drachenfans äußerst beliebt ist.

Adresse:
Alter Bernauer Heerweg in Reinickendorf

Der Übersehene: Volkspark Prenzlauer Berg

Als Geheimtipp hingegen gilt der 29 Hektar große Volkspark Prenzlauer Berg, der mit verschiedenen Baumarten aus dem europäischen Raum bepflanzt wurde. 40 Prozent der Fläche bilden jedoch Wiesen. Vor allem auf und östlich des Hohen Plateaus (89 Meter) finden sich hervorragende Bedingungen zum Drachensteigen.

Adresse:
Schneeglöckchenweg/Hohenschönhausener Straße in Prenzlauer Berg

Titelbild: Getty Images

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