Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner posiert bei einem Pressetermin mit weiteren Senatsmitgliedern und den GeschäftsführerInnen der landeseigenen Wohnungsunternehmen in einem Neubauquartier. Zudem ist eine überdimensionale Tafel zu sehen, auf der alle Personen unterschrieben haben. Foto: Tina Merkau

Roadmap für mehr landeseigenen Wohnraum: Ziel erreicht, neues Ziel gesetzt

Über 100.000 neue, bezahlbare Wohnungen? Check! Klimaziele erreicht? Check! Die landeseigenen Wohnungsunternehmen haben ihr Versprechen für die vergangenen zehn Jahre vorzeitig eingelöst. Jetzt ist die nächste Vereinbarung unterzeichnet. Was dahinter steckt und welche Rolle die Gewobag dabei spielt.

Der Kurs ist klar: Am 5. Juni 2026 haben Berlinovo, degewo, GESOBAU, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND und WBM gemeinsam mit dem Berliner Senat die Roadmap 2.0 unterzeichnet – ein Bekenntnis zu weiteren rund 56.000 zusätzlichen Wohnungen im Landeseigentum bis 2035. Der Termin fand im Rahmen einer Neubautour der landeseigenen Wohnungsunternehmen statt, die im Gewobag-Quartier Das Neue Gartenfeld startete. Neben dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner waren auch Christian Gaebler (Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen) und Ute Bonde (Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt) vor Ort.

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Dass derartige Vereinbarungen keine leeren Versprechen sind, zeigt der Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Mit 404.170 Wohnungen in ihrem Bestand haben die Gesellschaften das Ziel der ersten Roadmap von 2016 bereits zum 31. Dezember 2025 erreicht und übertroffen. „Die Gesellschaften haben in einer Legislaturperiode eine Stadt von der Größe Darmstadts gebaut“, sagte Kai Wegner. Über den gesamten Roadmap-Zeitraum betrachtet fällt die Bilanz noch beeindruckender aus. Der Bestand wuchs um knapp 30 Prozent.

Vorgestellt wurde die Zehn-Jahres-Bilanz Mitte April auf einer Pressekonferenz in der Schöneberger Linse am Südkreuz, einem Gewobag-Quartier. Tenor der Veranstaltung: Die sieben Gesellschaften haben geliefert.

Was die Zahlen erzählen

Im Unterzeichnungsjahr 2016 standen 311.929 Wohnungen im Bestand der landeseigenen Unternehmen. Ende 2025 waren es die oben erwähnten 404.170. Bis Jahresende 2026 soll der Bestand auf geplante 412.454 Wohnungen anwachsen, der Gesamtzuwachs liegt dann bei über 100.000 Wohnungen oder gut 32 Prozent.

Knapp 43.000 Neubauwohnungen entstanden zwischen 2016 und 2025, weitere fast 49.000 Wohnungen wurden zugekauft. Dass der Ankauf überwiegt, ist kein Zufall. In diesem Zeitraum stiegen die Baukosten um gut 80 Prozent, eine Folge der Corona-Pandemie, des Ukraine-Kriegs und weiterer Faktoren. „Das Land Berlin hat den Gesellschaften den Spielraum gegeben, flexibel auf diese Rahmenbedingungen zu reagieren“, betonte Ingo Malter.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner steht bei einem Pressetermin mit weiteren Senatsmitgliedern und den GeschäftsführerInnen der landeseigenen Wohnungsunternehmen auf einem Dach eines Neubauquartiers. Einige Personen präsentieren einen überdimensionalen Spaten. Foto: Tina Merkau
Nach wie vor voller Tatendrang: die Vorstandsmitglieder der landeseigenen Wohnungsunternehmen mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner beim Pressetermin in der Schöneberger Linse. Foto: Tina Merkau

Auch der Anteil geförderter Neubauwohnungen fiel höher aus als angekündigt: Statt der vereinbarten 30 Prozent wurden rund 38 Prozent der neuen Wohnungen mit öffentlicher Förderung zu besonders günstigen Konditionen errichtet. Inklusive der für 2026 erwarteten Fertigstellungen steigt der Förderanteil sogar auf etwa 48 Prozent. „Ohne ausreichende Förderung wäre der Neubau in diesem Umfang nicht möglich gewesen“, sagte Malter.

Mehr als 15 Milliarden Euro für Berlin

Insgesamt haben die Wohnungsgesellschaften seit 2016 rund 15,3 Milliarden Euro in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung investiert. Allein 2025 waren es 2,13 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie zu Beginn der Roadmap. Hinzu kamen geschätzt 8,3 Milliarden Euro für Wohnungsankäufe.

Positiver Nebeneffekt: Ein großer Teil dieser Mittel ist in die lokale Wirtschaft geflossen und hat Arbeitsplätze in der Region gesichert.

Mieten: Fast die Hälfte unter Marktniveau

Die Bilanz wäre wenig wert, wenn sie nicht mit bezahlbaren Mieten einherginge. Die durchschnittliche Bestandsmiete der Wohnungsgesellschaften lag Ende 2025 bei 7,09 Euro netto kalt pro Quadratmeter und damit sogar unter dem Mittelwert des Berliner Mietspiegels 2024 (7,21 Euro).

Noch deutlicher zeigt sich die Differenz bei Neuvertragsmieten. Wer 2025 eine Wohnung ohne Sozialbindung bei den Wohnungsgesellschaften anmietete (9,31 Euro nettokalt
pro Monat und Quadratmeter), zahlte deutlich unter Marktniveau. Auf den großen Immobilienportalen lag die durchschnittliche Berliner Angebotsmiete bei 15,76 Euro, also fast doppelt so hoch.

Jede vierte Berliner Mietwohnung gehört inzwischen einem landeseigenen Unternehmen. Deren moderate Mietpolitik wirkt sich damit spürbar dämpfend auf den gesamten Mietmarkt aus. Bausenator Christian Gaebler nannte die Wohnungsgesellschaften „Garanten einer sozial gerechten Stadtentwicklung“. Sie sicherten bezahlbare Mieten, stabilisierten Quartiere und übernähmen Verantwortung für den sozialen Zusammenhalt.

Klimaschutz: Ziele für 2030 bereits erreicht

Neben Wachstum und Bezahlbarkeit lieferten die Wohnungsgesellschaften auch beim Klimaschutz. Die CO₂-Emissionen pro Wohnung sanken seit 1990 bis heute von 3,54 auf 1,22 Tonnen, eine Reduktion um 66 Prozent. Die Klimaziele des Bundes für 2030 (minus 65 Prozent) und der EU (minus 55 Prozent) wurden damit schon übertroffen.

Allein im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 gelang eine Reduzierung um rund 19 Prozent, ermöglicht durch milliardenschwere energetische Sanierungen, die parallel zum Wachstumskurs liefen. Ingo Malter: „Die Wohnungsgesellschaften haben nicht entweder Wachstum oder Klimaschutz gemacht, sondern beides, und zwar bei bestehendem günstigem Mietniveau.“

Die Roadmap in Zahlen

Wohnungsbestand: von 311.929 (2016) auf 404.170 (Ende 2025), geplant 412.454 (Ende 2026)

Wachstum: über 100.000 Wohnungen (+32 %), davon ca. 43.000 Neubau, ca. 49.000 Ankauf

Gesamtinvestitionen: 15,32 Milliarden Euro (Ø 4,2 Mio. Euro pro Tag)

Bestandsmiete: 7,01 €/m² nettokalt (Mietspiegel-Mittelwert: 7,71 €/m²)

CO₂-Reduktion: minus 66 % seit 1990, Bundesziel 2030 bereits übertroffen

Gewobag als Gastgeberin in der Schöneberger Linse

Das Gewobag-Quartier am Südkreuz vereint Wohnen und Gewerbe in einem lebendigen Stadtviertel und zeigt, wie bezahlbare, gemischte Quartiere in Berlin entstehen können. Gewobag-Vorstandsmitglied Markus Terboven kennt das Projekt aus nächster Nähe – und empfing vor Ort als Gastgeber.

Die Schöneberger Linse diente zugleich als Beispiel dafür, was die Gewobag mit ihrem Investitionsprogramm umsetzt. Insgesamt hat das Unternehmen seit 2016 etwa vier Milliarden Euro investiert, je zur Hälfte in Ankäufe und Neubauten. Mit rund 76.000 Wohnungen und mehr als 150.000 MieterInnen hat der Bestand die Dimension einer Großstadt.

Roadmap 2.0: Was jetzt geplant ist

Bis Ende 2035 soll der landeseigene Bestand auf rund 464.877 Wohnungen wachsen, ein Plus von knapp 14 Prozent. Das schafft Wohnraum für etwa 120.000 Menschen, so viele, wie heute in einem Berliner Altbezirk wie Schöneberg leben. Perspektivziel des Senats sind 500.000 Wohnungen im gemeinwohlorientierten Segment, gemeinsam mit Genossenschaften und weiteren Akteuren.

Dass der Wachstumskurs nicht ohne Herausforderungen läuft, machten alle Beteiligten deutlich. Bausenator Gaebler verwies auf hohe Anforderungen bei Artenschutz und Naturschutz sowie komplexe Planungsverfahren. Gebraucht werde der Einsatz aller in der Stadt, auch dort, wo Wohnungsbau näher an die eigene Nachbarschaft rücke. Als politische Instrumente nannte er das Schneller-Bauen-Gesetz und das Einfach-Bauen-Berlin-Gesetz. Ingo Malter fasste die Haltung der Unternehmen nüchtern zusammen: „Die Roadmap 2.0 ist kein Wunschzettel, sondern ein realistisches Programm auf Basis konkreter Wirtschaftsplanungen. Verlässliche Förderung, Grundstücke und Planungsrecht sind dafür keine Extras, sondern Voraussetzungen.“

Ein Beispiel dafür, wie die Vereinbarungen im Alltag ankommen, ist das eingangs erwähnte Zukunftsquartier Das Neue Gartenfeld in Spandau. Allein die Gewobag errichtet dort rund 1.500 Wohnungen, neunzig Prozent davon gefördert. Durch den bislang wenig bekannten WBS 220 können dabei auch Menschen mit mittleren Einkommen profitieren.

Titelfoto: Tina Merkau

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