Städtisch Grün. Kids Grundschüler in ihrem Schulgarten

Hier wächst mehr als Gemüse: Vier Jahre „Städtisch Grün. Kids“ in Charlottenburg

Beete anlegen, Kräuter säen, Obst und Gemüse ernten: An der Helmuth-James-von-Moltke-Grundschule in Charlottenburg haben Kinder vier Jahre lang Dinge erlebt, die im normalen Schulalltag sonst keinen Platz haben. Was durch das Förderprojekt „Städtisch Grün. Kids“ am Ende des Schuljahres bleibt? Weit mehr als ein Gemüsebeet!

Als die Klasse von Dilek Topal an diesem Vormittag Kräuter aus dem Schulgarten erntet, wird geschnippelt, gerührt und probiert. Schnittlauch, Petersilie und Zitronenmelisse landen im selbst gemachten Kräuterquark. Die Reaktion der Kinder folgt prompt: „Das ist ja lecker!“ Viele Kids erleben hier zum ersten Mal, wie Lebensmittel entstehen und wie sie schmecken, wenn sie direkt aus dem Beet kommen.

Solche Momente passieren nicht von selbst. Sie brauchen eine überzeugte und engagierte Lehrkraft, einen Schulhof mit Gemüsebeeten und Unterstützung von außen. Den letztgenannten Part hat die Gewobag mit Städtisch Grün. Kids übernommen, einem Projekt, das zunächst auf vier Jahre angelegt war.

Vom Samenkorn zur Schulstunde

2023 brachte die Gewobag das Förderprojekt an die Helmuth-James-von-Moltke-Grundschule in der Charlottenburger Paul-Hertz-Siedlung. Klassenlehrerin Dilek Topal war von Anfang an dabei und trieb das Ganze maßgeblich voran.

Daneben brachten zwei PartnerInnen das Konzept zum Leben: die GemüseAckerdemie des Acker e. V. und die Stiftung Naturschutz Berlin mit ihrem Umweltbildungsprogramm Nemo. Zusammen entstand so etwas wie ein grünes Klassenzimmer: draußen, mit echtem Boden und echter Ernte.

„Die Kinder erleben
ein ganzes Gartenjahr.
Das sind Naturerlebnisse,
die sie in der Stadt
sonst wahrscheinlich
nie mitbekommen würden.“

Dilek Topal, Lehrerin an der
Helmuth-James-von-Moltke-Grundschule

Rund 90 SchülerInnen nahmen an der GemüseAckerdemie teil, drei feste AckerLehrerInnen und fünf AckerBuddies begleiteten sie durch das Gartenjahr. 23 AckerStunden kamen allein 2025 zusammen. „Die Kinder erleben ein ganzes Gartenjahr – vom Samen bis zum Gemüse, von der Bodenbeschaffenheit bis zu den Tieren im Garten. Das sind Naturerlebnisse, die sie in der Stadt sonst wahrscheinlich nie mitbekommen würden“, erzählt Lehrerin Dilek Topal. „Wir haben mehrere Gemüsearten geerntet und mit den Kindern an Tomaten, Gurken und Zucchini die Besonderheiten entdeckt. Dass die eigene Ernte auch unterschiedliche Größen und Farben sowie Geschmacksrichtungen bot, war ein besonderes Erlebnis.“ Viele Kinder interessierten sich plötzlich für Pflanzen, an denen sie bisher vorbeigelaufen sind.

AckerCoachin Andrea erinnerte sich nach einer der Pflanzungen: „Die Kinder haben sich für den großen Feigenbaum in der Mitte des Gartens interessiert. Dafür, wie er wächst, was er braucht und wie die Früchte schmecken.“

Mathematik mit Spinnenbeinen

Was im Garten wächst, wandert schnell in andere Fächer. Topal hat das von Anfang an so angelegt: fächerübergreifend und bewusst verknüpft. Im Deutschunterricht schrieben die Kinder Steckbriefe zu Pflanzen und Tieren. Im Matheunterricht wurden Insektenbeine zum Rechenthema. Wie viele Beine hat eine Spinne? Wie viele ein Eichhörnchen? „Das kann man alles gut verbinden“, sagt Topal.

Der Kunstlehrer stieg ebenfalls ein. Als die Klasse Schmetterlinge und ihre Symmetrien untersuchte, gestalteten die Kinder anschließend eigene Schmetterlinge im Kunstunterricht – mit den richtigen Namen dazu, recherchiert im Garten. „Mehr Kompetenzen kann man eigentlich kaum an einem Thema üben“, findet Topal.

Auch gesunde Ernährung wurde zur Unterrichtsstunde. Kinder, die ihre Lebensmittel selbst angebaut und verarbeitet haben, schmecken den Unterschied. Die Kinder lernten etwas über Inhaltsstoffe und Zubereitungen. Zum Abschluss des Schuljahres besuchte die Klasse das Zuckermuseum im Deutschen Technikmuseum, weil das Interesse an Zucker und Ernährung über das Projekt hinaus gewachsen ist.

In die Jungfernheide – und zurück in die Schule

Neben dem Schulgarten gab es noch einen zweiten Lernort: die Jungfernheide gleich in der Nähe der Schule. Dort veranstaltete die Stiftung Naturschutz Berlin mit ihrem Programm Nemo (Naturerleben mobil) umweltpädagogische Entdeckungstouren: Bäume bestimmen, Winterquartiere von Tieren suchen, mit Naturmaterialien gestalten, das Ökosystem Park begreifen.

Für Topal war das Naturerlebnis draußen eine logische Ergänzung zum Garten. Was auf dem Acker geweckt wurde, vertiefte sich im Park. Die Kinder sammelten anschließend Müll und fuhren mit der Klasse zum Recyclinghof – weil Naturschutz nicht beim Gießen aufhört.

Ein Garten, der bleibt

Für die Gewobag ist das Engagement an der Helmuth-James-von-Moltke-Schule mehr als ein Förderprojekt. Dahinter steckt eine Überzeugung: Damit sich junge Menschen gut entwickeln können, braucht es – so wie im Garten – einen guten Nährboden. Wer Kinder früh mit Natur, Gemeinschaft und eigenem Tun in Berührung bringt, investiert in etwas, das lange nachwirkt. Genau das hat „Städtisch Grün. Kids“ vier Jahre lang geleistet.

Das Engagement der GemüseAckerdemie ist von vornherein auf diesen Zeitraum angelegt. Die Idee: In den vier Jahren sollen Wissen und Kompetenzen in den Schulen angesiedelt werden, sodass sie das Modell eigenständig weiterführen können. Für Dilek Topal steht fest: „Dieses Projekt ist wirklich eine Bereicherung für alle.“

Titelfoto: City-Press GmbH

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