Kinder spielen im Freien mit einem bunten Schwungtuch. Ein Mädchen mit großer Sonnenbrille lächelt in die Kamera. Foto: Johannes Karnauchow/3viertel3

Ferienfreizeit am Ruppiner See: Eine unvergessliche Woche

Die Stiftung Berliner Leben und ihre Partner haben rund 50 jungen BerlinerInnen einen Sommertrip ans Wasser ermöglicht. Über ein paar unbeschwerte Tage mit Spiel, Sport und jeder Menge Spaß – und weitreichende Effekte.  

Hier ist der Berliner Alltag nicht nur 70 Kilometer entfernt, sondern auch gefühlt ganz weit weg: An einem Vormittag im August tummeln sich im Jugenddorf am Ruppiner See mehrere kleine Gruppen mit Kindern oder Jugendlichen auf dem großen Rasen. Es wird gerannt und getobt, gesprochen und gelacht. Eine Spielwiese wie aus dem Bilderbuch, mit viel Grün statt Grau, mit Bäumen statt Beton. 

Die Sonne versteckt sich zwar noch hinter den Wolken, doch das Strahlen der Kids ist unübersehbar, was auch an der fast malerischen Kulisse liegen mag. Im Hintergrund thront das Gut Gnewikow, am unteren Ende des Rasenhangs erstreckt sich das Wasser. Dazwischen: eine große Feuerstelle, Fußballtore, ein Beachvolleyballfeld, ein hölzerner Steg, bereitliegende Kanus und jede Menge Platz für freies Spiel. Eine Manege der Möglichkeiten.

Die Reise ist auch eine Horizonterweiterung

„Kommt mal bitte alle zusammen“, ruft Dorothea Schmidt. Normalerweise leitet sie den Standort Rollberge des FACE Familienzentrums in Reinickendorf, heute packt sie ihre Gitarre mitten in der Natur aus. Die zwölf Jungen und Mädchen, die sie während der fünftägigen Ferienfreizeit am Ruppiner See betreut, lassen sich nicht lange bitten und schmettern stimmgewaltig drauflos. Gesungen wird der „Körperteilblues“, natürlich mit vollem Körpereinsatz. Ein großer Spaß.

Szenen wie diese entlocken Dr. Anne Schmedding ein Lächeln. Als Vorstandsbeauftragte der Gewobag-eigenen Stiftung Berliner Leben koordiniert sie seit 2024 Gruppenfahrten an den Ruppiner See. „Wir möchten Kindern, die aus finanziell schwächeren Quartieren kommen, einen Sommerurlaub ermöglichen“, erklärt sie. „Häufig haben diese Kids noch nie eine Reise erlebt – oder zumindest keine, in der es um ihre Bedürfnisse ging. Hier im Jugenddorf gibt es viele sportliche und spielerische Angebote und dazu einen direkten Zugang zum See, was für viele Berliner Kinder wirklich etwas Besonderes ist.“

Mal rauszukommen aus dem Wohnalltag, etwas anderes zu sehen als das eigene Quartier und neue Erfahrungen zu machen – bei den Reisen an den Ruppiner See geht es nicht nur um eine entspannte Ferienwoche, sondern auch um Horizonterweiterung. Das kann am Lagerfeuer oder in der Jugenddisco sein, bei einem Kinoabend, einem Ausflug ins benachbarte Neuruppin oder vielen weiteren Aktivitäten.

In diesem Jahr sind rund 50 Personen aus vier ganz unterschiedlichen Gruppen auf Reisen gegangen, gefördert von der Stiftung Berliner Leben in Zusammenarbeit mit der DKB-Stiftung und der Heidehof Stiftung und unterstützt von 3B. Mit dabei sind auch junge Fußballerinnen von Concordia Wilhelmsruh, die auf dem weitläufigen Areal auf einem überdachten Fußballfeld kicken.

Vielfältige Lerneffekte

Der Tapetenwechsel kommt bei den 15 bis 17 Jahre alten Mädels gut an. „Hier ist es ruhiger als zu Hause“, sagen sie unisono, „außerdem kann man hier viel machen.“ Klar, Fußball ist auch hier ein wichtiger Tagesinhalt, aber eben längst nicht alles. Gern spielen sie eine Runde Billard oder Gesellschaftsspiele, auch die Jugenddisco kommt gut an. Alles in allem erleben sie eine unbeschwerte Zeit. „Neulich saßen wir in einer größeren Runde am Lagerfeuer“, erzählt eines der Mädchen, „da kommt man automatisch in Kontakt.“

Trainer Uwe Schmitt weiß, wie wichtig derartige Erlebnisse sind. „Entscheidend ist, dass die Mädels dranbleiben“, sagt er mit Blick auf die Aktivität im Verein. „Dafür brauchen wir auch Angebote, die über Fußball hinausgehen – Aktivitäten oder Fahrten wie diese.“ Vor zwei Jahren hätten viele der Mädels „keinen Bock mehr auf Schule“ gehabt, inzwischen zeige sich auch hier eine neue Beharrlichkeit: „Jetzt heißt das Ziel Abitur.“

Während der Mittagspause laufen sich die Fußballerinnen und die Kids vom FACE Familienzentrum im Speisesaal über den Weg. Es gibt Tortellini und Suppe, eine Salatbar und viel Obst. „Für viele Kinder ist gesunde Ernährung keine Selbstverständlichkeit“, erzählt Betreuerin Dorothea Schmidt. „Erst neulich hat ein Kind erzählt, dass es bei ihm zu Hause nie Kiwi gibt, weil die so teuer seien.“ Während der Ferienfreizeit gibt es diese Engpässe nicht – die Stiftung Berliner Leben und ihre Partner zahlen neben der Unterkunft auch die Verpflegung.

Am Nachmittag trifft sich die FACE-Gruppe an einem großen Tisch in einem Gemeinschaftsraum, ausgestattet mit Heften, Stiften und Porträtfotos, die mit einer Polaroidkamera entstanden sind. Jeden Tag gestalten die Dritt- bis SechstklässlerInnen eine Seite zu einem speziellen Gefühl. „So sehe ich aus, wenn ich träume“, steht auf einem großen Zettel in der Mitte.

Positive Impulse für den Berliner Alltag

Für einige Kids ist es die erste Reise ohne Eltern, andere sind schon zum zweiten Mal am Ruppiner See. Was für sie anders ist als zu Hause? „Wir sind hier fast den ganzen Tag draußen“, erzählt ein Mädchen, „und die ganze Zeit ohne Handy.“ Ein drittes Kind findet es besonders schön, „auf der Bank am See zu sitzen“, ein weiteres liebt es, „Feuersteine zu finden“.

Fast alle nennen den gemeinsamen Kinoabend als Highlight, genauso wie die Zeit in der Sporthalle des Jugenddorfs. In der heimischen Turnhalle in Reinickendorf bleibt der Gruppe in der Regel nur eine Stunde, die fast schneller vorüber ist, als sie begonnen hat. Am Ruppiner See können sich die Kinder hingegen ausgiebig austoben.

Neben tollen Erinnerungen nimmt die FACE-Gruppe auch positive Effekte mit nach Hause. „Wir haben schon im Vorjahr gemerkt, dass sich die Beziehung zu den Kindern mit der Ferienfreizeit verbessert“, sagt Dorothea Schmidt. „Durch die Fahrt entsteht einfach eine andere Vertrauensbasis – auch zu den Eltern.“ Nicht zu vergessen: Die guten Erfahrungen werden per Mundpropaganda weitergetragen, sodass in der Folge auch neue Gesichter den Weg ins FACE Familienzentrum wagen.

Vorerst aber findet die Action weiter am Ruppiner See statt, auf der großen Wiese herrscht wenig später wieder Hochbetrieb. Das Beachvolleyballfeld ist belegt, eine Gruppe rüstet sich für eine Kanutour und die Reinickendorfer Kids spielen lachend mit einem Schwungtuch. Selbst die Wolken haben sich inzwischen verzogen, alle genießen ihren Platz an der Sonne. Und in einem sind sich die FACE-Kinder und die Concordia-Fußballerinnen ohnehin einig: „Das hier“, sagen sie, „wollen wir auf jeden Fall noch einmal machen.“

Angebot für unterschiedliche Zielgruppen

Die Ferienfreizeit-Förderung des Stiftung Berliner Leben ist 2026 nicht nur dem FACE Familienzentrum und Concordia Wilhelmsruh zugutegekommen, sondern auch einer Gruppe des Kinderring Berlin e. V. und eine Gruppe der Initiative kiez@work des Gemeinwesenvereins Heerstraße Nord.

„Natürlich geht es am Ruppiner See auch um Spaß und Urlaub“, sagt Dr. Anne Schmedding von der Stiftung Berliner Leben, „aber wir sehen auch vielfältige Lerneffekte, gerade bei Kindern, die sonst nur schwer mit Bildungsangeboten zu erreichen sind.“

Neben der Unterkunft und der Verpflegung finanziert die Stiftung Berliner Leben für die Gruppen auch ein Lagerfeuer. Das Angebot soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.

Titelfoto: Johannes Karnauchow/3viertel3

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