Szene eines Boxtrainings im Freien: Ein junges Mädchen schlägt im Ring eine rechte Grade in die Handfläche eines Trainers. Foto: City-Press GmbH

Start von Stadtraum!Plus im Falkenhagener Feld: Ein Programm mit Punch

Boxen, Tanzen, ein neues Wandbild und vieles mehr: Mit einem Quartiersfest ist im Falkenhagener Feld der Startschuss für Stadtraum!Plus gefallen. Das Programm der Stiftung Berliner Leben stärkt die soziale Quartiersentwicklung auf vielfältige Art und Weise. Der Auftakt zeigt: Das Angebot begeistert!

Eigentlich spielen Leon und Lamar Fußball, doch an diesem Freitag Ende Juni begeistert Leon das Boxen. Mit gepolsterten Handschuhen steht der blonde Junge grinsend in dem großen Boxring, den der Isigym e.V. für das Quartiersfest auf den Sportplatz im Falkenhagener Feld gestellt hat. „Wir haben ein Talent entdeckt, unglaublich“, sagt Boxtrainer Murat Yildirim und lenkt den Blick des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner auf den kleinen Leon. Kurz darauf geben sich Leon und Kai Wegner High Five. Hand auf Faust.

Eine Stunde später steht Lamar lächelnd im selben Ring, der nun als Tanzfläche fungiert. Vor über 50 kleinen und großen ZuschauerInnen zeigt sie zu wechselnden Songs ihre Tanz-Moves und freut sich am Ende über den zweiten Platz beim Hip-Hop-Wettbewerb, verbunden mit einem 50-Euro-Gutschein für die Spandau Arcaden.

Leon und Lamar sind Nachbarn. In der Regel haben sie nicht viele Möglichkeiten, neue Sportarten auszuprobieren. Durch das Quartiersprogramm Stadtraum!Plus, das die Gewobag-eigene Stiftung Berliner Leben nun erstmals ins Falkenhagener Feld bringt, wird sich das ändern.

Von Boulebahn bis HipHopHub

Das seit 2021 erprobte Konzept ruht auf zwei Säulen: Zum einen bündelt die Stiftung kostenfreie Angebote aus ihrem Netzwerk und macht sie lokalen Partnern wie Schulen, Kitas, Nachbarschaftszentren oder Freizeittreffs zugänglich – von Boxkursen über künstlerische Workshops bis zu Führungen im URBAN NATION Museum. Zum anderen vergibt ein Mikrofonds bis zu 1.000 Euro pro Projektidee, beantragbar von Einrichtungen vor Ort, jeweils im April und Oktober. Im Spandauer Quartier Falkenhagener Feld werden zum Beispiel die Instandsetzung einer Boulebahn durch den Seniorentreff Freudstraße, ein Hochbeet vom Jugendträger Outreach und eine neue Ausstattung für die Malgruppe in der Kiezstube gefördert.

„Eine Künstlerin bietet darüber hinaus Nachtspaziergänge an, um den Stadtteil mit allen Sinnen wahrzunehmen“, erzählt Wassili Siegert vom Quartiersmanagement Falkenhagener Feld West. Im Quartier sollen außerdem dauerhafte Angebote des HipHopHub entstehen, damit Kids und Jugendliche wie Lamar die Möglichkeit bekommen, sich im Tanz oder als DJs auszuprobieren. „Wir haben hier so tolle Akteure. Die wollen alle etwas bewirken und ich finde es wichtig, dass sie jetzt auch von der Politik gesehen werden“, sagt Xenia Müller, Projektreferentin der Stiftung Berliner Leben.

Viel Sichtbarkeit für lokale AkteurInnen

Zum Quartiersfest, das den offiziellen Start des Programms markiert, sind neben Kai Wegner auch Katharina Günther-Wünsch (Senatorin für Bildung, Jugend und Familie), Stephan Machulik, (Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz), Tanja Franzke (Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit sowie kommissarisch für Ordnung) und Sebahat Atli (Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin für den Spandauer Norden) gekommen. „Heute feiern wir zehn Jahre Familienwohnung im Kiez, wie feiern den Auftakt für Stadtraum!Plus im Falkenhagener Feld und den Beteiligungsprozess für die neue ONE WALL. Und wenn man hier über das Falkenhagener Feld geht – und das ist mir eine Herzensangelegenheit – dann sieht man, dass nicht nur dieser graue Beton an den Wänden ist. Es ist wieder Farbe im Land“, sagt Stephan Machulik und zeigt hinter sich.

Gemeinsam mit dem international bekannten Künstler Jim Avignon entstanden im Quartier bereits zwei großflächige Community Walls unter dem Leitmotiv „gute Nachbarschaft“. Eine davon können die Besucherinnen und Besucher des Quartiersfests direkt hinter der Bühne im Kraepelinweg 13 bestaunen, die andere im Spektefeld 32/34. Außerdem folgt noch eine ONE WALL, die sich über die gesamte Fassade am Kraepelinweg 3 erstrecken wird.

ONE WALL als buntes Porträt der Nachbarschaft

Besonders ist dabei der partizipative Ansatz – die Motive entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus Ideen der Menschen vor Ort. Den Auftakt machte beim Quartiersfest ein Mitmachstand, an dem die Anwohnerschaft ihre eigenen Ideen für die Gestaltung einbringen konnte. Auf vorgedruckten Bögen ließen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Filzstiften bunte Fassadenträume entstehen. Mal leuchtete die Hauswand in Regenbogenstreifen, mal erstreckte sich ein Baum mit rosa Blütenkrone über die Fassade. Andere setzten Tulpen, Wellen, Herzen oder geometrische Farbfelder an die Wand.

Die Umsetzung der ONE WALL folgt in den kommenden Wochen. Beteiligt sind dabei gezielt Kinder und Jugendliche aus dem Quartier, sodass das fertige Werk am Ende ein kollektives Selbstporträt der Nachbarschaft ist. Die feierliche Einweihung der ONE WALL findet am 28. August 2026 nachmittags am Kraepelinweg 3 statt. Welche Kraft in derartigen Projekten steckt, weiß Dr. Hans-Michael Brey, der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung der Berliner Leben, aus den Erfahrungen an anderen Standorten. „So etwas“, sagt er, „kann die Identifikation mit dem Quartier spürbar stärken.“

Titelfoto: City-Press GmbH

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