Eine jüngerer Frau lehnt an einem Tisch auf einem Stuhl und unterhält sich mit zwei älteren, sitzenden Personen. Foto: Felix Seyfert

Jubiläums-Bootstour: Viel Freude an Bord – und tolle Erinnerungen im Gepäck

Manche Menschen wohnen seit 50 oder 60 Jahre bei der Gewobag. Anfang September lud das Unternehmen seine treusten Mieterinnen und Mieter zu einer Schifffahrt ein. Über einen Tag mit viel Nostalgie, gegenseitiger Dankbarkeit und einigen Überraschungen.

Das Wort „Klopfstange“ fällt häufiger, gepaart mit einem Lächeln und Erinnerungen an kreative Spielnachmittage vergangener Zeiten. Was es damit auf sich hat? Nun, die Klopf- oder Teppichstange ist ein aus Metall gefertigter, torähnlicher Rohrrahmen zum Aufhängen und Ausklopfen von Teppichen und war früher auf den Höfen vieler Wohnsiedlungen gang und gäbe. „Als Kinder haben wir daran geturnt“, erzählt Angelika Oegel. Ihre Schwiegermutter Meta Sonder erinnert sich indes vor allem an den Wechsel auf die komfortable Zentralheizung. Als sie einst von ihrer Mansardenwohnung mit Ofenheizung in die Gewobag-Wohnung in der Heerstraße zog, konnte sie ihr Glück kaum fassen. „Ich habe immer wieder geträumt, dass uns die Wohnung wieder weggenommen wird“, sagt sie lachend.

Anekdoten, alte Fotos und wertvolle Fragmente

Berliner Erinnerungskultur ist am 2. September 2026 auf der MS Havelstern an nahezu jedem Tisch sichtbar und hörbar. Auf drei Etagen haben sich gut 200 Mieterinnen und Mieter verteilt, um gemeinsam mit der Gewobag das Jubiläums-Event für 50 bis 60 Jahre MieterInnentreue zu feiern. „Sie sind jetzt 50, 60 Jahre bei uns“, sagt Bereichsleiter Jendrik Kruse zur Begrüßung. „In dieser Zeit ist viel passiert – im Bereich des Wohnens und bei Ihnen. Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen den Tag zu verbringen und uns dazu auszutauschen.“

Um 10.30 Uhr legt die MS Havelstern an der Greenwichpromenade ab, fährt über den Tegeler See, vorbei an der Villa Borsig, dem Strandbad Tegel, der Insel Scharfenberg und weiter auf der Havel über Tegelort, Konradshöhe, Nieder Neuendorf und Heiligensee bis sie um 14.30 Uhr wieder in Tegel anlegt.

Während dieser vier Stunden haben die Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit, sich am reichhaltigen Buffet zu bedienen, Fotos zu machen, sich von einem Karikaturisten zeichnen zu lassen, zu tanzen, zu klönen oder die Aussicht zu genießen. Ein gutes Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gewobag unterstützen an Bord die weniger mobilen Gäste, begleiteten sie über das Schiff oder nehmen ihnen den Weg zum Buffet ab.

Die Mieterinnen und Mieter sind eingeladen, ihr Porträt an den Bezirk zu pinnen, in dem sie wohnen. Dafür machen die Mitarbeiterinnen vor Ort Polaroid-Aufnahmen. Viele Gäste haben aber auch eigene Fotos dabei. Christel Handke findet für ihr Bild als Siebenjährige mit Schultüte einen Platz in Kreuzberg, das Hochzeitsfoto von Hannelore Kempers ziert Charlottenburg und Rosemarie Zimmermann heftet ihre Aufnahme aus dem Askanierring von 1972 nach Spandau.

Neue Begegnungen und tolle Momentaufnahmen

Rosemarie Zimmermann ist allein gekommen. „Ich dachte, vielleicht kenne ich jemanden“, sagt sie. Ähnliches hofft auch Jana Srebrnjak aus Reinickendorf. Dem ist zwar nicht so, dafür lernen die beiden Frauen einander kennen. Bei Speis und Trank kommen sie ins Gespräch, tauschen Erinnerungen und Erfahrungen aus und lassen sich kurze Zeit später sogar gemeinsam fotografieren. Das Veranstaltungsmotto der Gewobag – „Wir bringen MieterInnen zusammen“ – geht auf. Als um 12.30 Uhr die Band „Cannibal Koffer“ zu spielen beginnt, wird die Stimmung noch lockerer.

Genau wie Meta Sonder und ihre Schwiegertochter Angelika lassen sich auch Rosemarie und Jana bei Schnellzeichner und Live-Karikaturist Daniel Stieglitz nieder, der im vorderen Bereich des Bootes seine Zeichenecke eingerichtet hat. Auch der 88-jährige Klaus Berchner lässt sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Roswitha karikieren, nachdem er zur Musik der Band das Tanzbein geschwungen hat. Er findet: „Diese Veranstaltung ist wirklich eine sehr großzügige Geste von der Gewobag.“

Wenn man so möchte, steht die Jubiläums-Bootstour somit stark im Zeichen bleibender Bilder. Klopfstangen sind von den meisten Höfen zwar verschwunden, die Erinnerungen daran jedoch nicht. Und ganz sicher sind an diesem Tag auf der Havel einige neue Erinnerungen dazugekommen.

Titelfoto: Felix Seyfert

Das könnte Sie auch interessieren: