Jubiläums-Bootstour: Viel Freude an Bord – und tolle Erinnerungen im Gepäck 10. September 2026Lesedauer: 3 Min. Manche Menschen wohnen seit 50 oder 60 Jahre bei der Gewobag. Anfang September lud das Unternehmen seine treusten Mieterinnen und Mieter zu einer Schifffahrt ein. Über einen Tag mit viel Nostalgie, gegenseitiger Dankbarkeit und einigen Überraschungen. Das Wort „Klopfstange“ fällt häufiger, gepaart mit einem Lächeln und Erinnerungen an kreative Spielnachmittage vergangener Zeiten. Was es damit auf sich hat? Nun, die Klopf- oder Teppichstange ist ein aus Metall gefertigter, torähnlicher Rohrrahmen zum Aufhängen und Ausklopfen von Teppichen und war früher auf den Höfen vieler Wohnsiedlungen gang und gäbe. „Als Kinder haben wir daran geturnt“, erzählt Angelika Oegel. Ihre Schwiegermutter Meta Sonder erinnert sich indes vor allem an den Wechsel auf die komfortable Zentralheizung. Als sie einst von ihrer Mansardenwohnung mit Ofenheizung in die Gewobag-Wohnung in der Heerstraße zog, konnte sie ihr Glück kaum fassen. „Ich habe immer wieder geträumt, dass uns die Wohnung wieder weggenommen wird“, sagt sie lachend. Jetzt Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen! E-Mail Ich stimme zu, dass die Gewobag mir per E-Mail den Newsletter zusendet und dabei die auf mich bezogenen Nutzungsstatistiken auswertet. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Abonnieren Anekdoten, alte Fotos und wertvolle Fragmente Berliner Erinnerungskultur ist am 2. September 2026 auf der MS Havelstern an nahezu jedem Tisch sichtbar und hörbar. Auf drei Etagen haben sich gut 200 Mieterinnen und Mieter verteilt, um gemeinsam mit der Gewobag das Jubiläums-Event für 50 bis 60 Jahre MieterInnentreue zu feiern. „Sie sind jetzt 50, 60 Jahre bei uns“, sagt Bereichsleiter Jendrik Kruse zur Begrüßung. „In dieser Zeit ist viel passiert – im Bereich des Wohnens und bei Ihnen. Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen den Tag zu verbringen und uns dazu auszutauschen.“ Um 10.30 Uhr legt die MS Havelstern an der Greenwichpromenade ab, fährt über den Tegeler See, vorbei an der Villa Borsig, dem Strandbad Tegel, der Insel Scharfenberg und weiter auf der Havel über Tegelort, Konradshöhe, Nieder Neuendorf und Heiligensee bis sie um 14.30 Uhr wieder in Tegel anlegt. Meta Sonder (r.) erinnert sich genau an ihren Einzug in die Heerstraße in Spandau. Es war der 1. April 1965. Vorher lebte sie in einer kleinen Mansardenwohnung in Wedding. „Ich habe immer gesagt, wenn das so bleibt, gehe ich zurück in die DDR“, sagt sie lachend. Als sie, ihr Ehemann und ihr Sohn Dieter die Wohnung in der Heerstraße bekamen, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Auf dem Parkplatz in der Heerstraße lernte Metas Sohn Angelika kennen, die nun bereits seit ihrem 16. Lebensjahr in der Wohnung ein und ausgeht. „Es war eine schöne Zeit. Wir haben oft Karten gespielt und viele Geburtstage in der Wohnung gefeiert sowie Konfirmation und Silberhochzeit. Heute wohnt es sich immer noch sehr schön und ich habe meine Kinder, Enkel und Urenkel“, sagt Meta Sonder. Im November wird sie 93 Jahre alt. Foto: Felix Seyfert Klaus Berchner und seine Frau Roswitha: „Es ist einfach toll, was die Gewobag hier veranstaltet, so eine großzügige Feier“, schwärmt Klaus Berchner. Mit seiner Ehefrau Roswitha wohnt er seit 60 Jahren in Spandau. „Die Gewobag ist sehr nett und hält alles in Ordnung“, sagt er. Früher lebten sie mit ihren drei Kindern in der Wohnung, heute genießen sie den Blick ins Grüne aus dem sechsten Stock zu zweit. Foto: Felix Seyfert Klaus Berchner ist einer der ersten auf der Tanzfläche. Der 88-Jährige war früher Leistungssportler im Boxen, im Eiskunstlauf und Mitglied des TSV Spandau 1860. Heute hat er einen Sandsack in einem der ehemaligen Kinderzimmer in seiner Wohnung hängen. Montags geht er regelmäßig zum Tanzen im Seniorenklub Lindenufer. „Sport hält jung“, sagt er. Foto: Felix Seyfert Gisela Reinsch und Hannelore Kempas lernten sich bei der Gewobag kennen – nicht beim Jubiläums-Event, sondern bereits in den 1960er-Jahren. Beide arbeiteten als Stenokontoristinnen für die Gewobag. Sie waren unter anderem dafür zuständig, Notstandsarbeiten in Wohnungen zu erfassen und diese zu protokollieren. „Bei der Gelegenheit habe ich mich direkt umgesehen, weil ich wusste, dass ich heirate und wir eine gemeinsame Wohnung brauchen“, sagt Hannelore. Gisela hat bereits als 17-Jährige bei der Gewobag angefangen. Gemeinsam mit Hannelore gehörte sie zu den Jüngsten im Team. „Hätten wir gedacht, dass wir heute immer noch zusammensitzen?“, fragt Gisela ihre Freundin und Nachbarin Hannelore. Die lächelt. Foto: Felix Seyfert Hannelore Kempas hat ihr Hochzeitsfoto sowie einen Ausschnitt aus der Berliner Morgenpost vom 30.09.1966 zum Jubiläums-Event mitgebracht. Direkt nach ihrer Hochzeit sind sie und ihr Mann Dieter in ihre erste gemeinsame Wohnung im Haselhorst gezogen, in der Hannelore bis heute lebt. „Damals herrschte Wohnungsnot. Der Bau hatte sich verzögert und alle Wohnungen im Haus sollten erst im Dezember 1966 bezugsfertig sein, die Hochzeit war ja aber schon geplant“, erzählt Hannelore. Ihr Chef bei der Gewobag setzte sich dafür ein, dass ihre Wohnung früher fertiggestellt wurde. Dort wuchs ihre Tochter auf, hier wollten sie gemeinsam alt werden. Leider verstarb Dieter Kempas bereits im Alter von 71 Jahren. „Er hatte geplant, 100 zu werden“, sagt Hannelore (83). Foto: Felix Seyfert Christel Handke ist im Alter von sieben Jahren in die Wassertorstraße gezogen. Mit ihren Eltern, ihrem Bruder, zwei Katzen und einer Großmutter, die oft zu Besuch kam, wohnte sie in einer 1,5-Zimmer-Wohnung. Später zog die Familie mehrmals im Gebäude um. „Als Erstmieter kannte man sich, die Hausgemeinschaft war toll“, sagt sie. Für die Fotowand auf der MS Havelstern hat sie ein Bild von ihrer Einschulung mitgebracht, bei der sie vor dem 1954 eingeweihten Haus in der Wassertorstraße steht. Auf dem dritten Bild ist ein Spielplatz abgebildet. „Heute ist das ein Verkehrskindergarten“, verrät Christel. Foto: Felix Seyfert Marianne Fehlow (2. v. l.) hat ihren ersten und einzigen Mietvertrag dabei. Am 26. August 1965 unterschrieb sie für die Wohnung in der Mareyzeile in Spandau. „Ich weiß noch, wie euphorisch wir damals waren“, sagt sie. Von einer Wohnung mit Ofenheizung in Reinickendorf konnten sie in die 76 Quadratmeter-Wohnung der Gewobag mit Zentralheizung wechseln. „Über einen Tausch kamen wir an diese Wohnung. Ich habe damals gesagt: Hier ziehe ich nie wieder aus, auch wenn ich putzen gehen muss, um die Miete zu bezahlen“, sagt Marianne. Während Tochter Kirsten Frobenius die Höhe der Miete auf dem vergilbten Papier sucht, tritt ein Mann an den Tisch: „Sind Sie Frau Frobenius? Meine Mutter glaubt, sie erkannt zu haben“, sagt er und stellt sich als Mario Zebe vor … Foto: Felix Seyfert Es stellt sich heraus, dass seine Mutter, Ursula Zebe, die zwei Tische weiter ebenfalls auf dem Oberdeck sitzt, nur wenige Meter entfernt in der Gruberzeile wohnt. Ihre Tochter Susanne ist vor einigen Jahren ein Stockwerk über Familie Frobenius eingezogen. „Susanne und ich haben als Kinder im Garten zusammen Gummitwist gespielt“, sagt Kirsten. Ursulas ältere Tocher Manuela war mit Kirstens Bruder zusammen. Stühle werden gerückt und wenige Sekunden später sitzen Marianne und Kirsten mit Ursula und Mario an einem Tisch und tauschen Erinnerungen aus. Foto: Felix Seyfert Jordanka Krauß wohnt seit 1973 im Prenzlauer Berg, gegenüber vom Märchenbrunnen. 1967 kam sie aus Bulgarien nach Deutschland und arbeitete als Ingenieurin, technische Zeichnerin und Umweltberaterin für Boden, Luft und Wasser unter anderem für den Berliner Senat. Damals hieß ihr Wohnhaus „Hochhaus am Königstor“, sagt sie. Für die Wohnung ist sie bis heute dankbar. „Ich gehe überall zu Fuß hin. Mit dem Rad war ich stets innerhalb von zehn Minuten auf der Straße „Unter den Linden“ und in 20 Minuten in Reinickendorf, wo es so viele schöne Wanderwege gibt. Ich finde, ich kann stolz und dankbar sein, dass ich direkt im Stadtzentrum wohne.“ Foto: Felix Seyfert Während dieser vier Stunden haben die Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit, sich am reichhaltigen Buffet zu bedienen, Fotos zu machen, sich von einem Karikaturisten zeichnen zu lassen, zu tanzen, zu klönen oder die Aussicht zu genießen. Ein gutes Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gewobag unterstützen an Bord die weniger mobilen Gäste, begleiteten sie über das Schiff oder nehmen ihnen den Weg zum Buffet ab. Die Mieterinnen und Mieter sind eingeladen, ihr Porträt an den Bezirk zu pinnen, in dem sie wohnen. Dafür machen die Mitarbeiterinnen vor Ort Polaroid-Aufnahmen. Viele Gäste haben aber auch eigene Fotos dabei. Christel Handke findet für ihr Bild als Siebenjährige mit Schultüte einen Platz in Kreuzberg, das Hochzeitsfoto von Hannelore Kempers ziert Charlottenburg und Rosemarie Zimmermann heftet ihre Aufnahme aus dem Askanierring von 1972 nach Spandau. Neue Begegnungen und tolle Momentaufnahmen Rosemarie Zimmermann ist allein gekommen. „Ich dachte, vielleicht kenne ich jemanden“, sagt sie. Ähnliches hofft auch Jana Srebrnjak aus Reinickendorf. Dem ist zwar nicht so, dafür lernen die beiden Frauen einander kennen. Bei Speis und Trank kommen sie ins Gespräch, tauschen Erinnerungen und Erfahrungen aus und lassen sich kurze Zeit später sogar gemeinsam fotografieren. Das Veranstaltungsmotto der Gewobag – „Wir bringen MieterInnen zusammen“ – geht auf. Als um 12.30 Uhr die Band „Cannibal Koffer“ zu spielen beginnt, wird die Stimmung noch lockerer. Das Ausflugsschiff Havelstern. Foto: Felix Seyfert Ein kulinarischer Willkommensgruß an Bord. Foto: Felix Seyfert Jendrik Kruse, Bereichsleiter Operatives Bestandsmanagement bei der Gewobag, heißt die Gäste willkommen. Foto: Felix Seyfert Das reichhaltige Buffet unter Deck. Foto: Felix Seyfert Zeit zum Genießen: die Jubiläumstour für langjährige MieterInnen der Gewobag. Foto: Felix Seyfert Zeit zum Genießen: die Jubiläumstour für langjährige MieterInnen der Gewobag. Foto: Felix Seyfert Zeit zum Genießen: die Jubiläumstour für langjährige MieterInnen der Gewobag. Foto: Felix Seyfert Zeit zum Genießen: die Jubiläumstour für langjährige MieterInnen der Gewobag. Foto: Felix Seyfert Karikaturist Daniel Stieglitz bei der Arbeit. Foto: Felix Seyfert Die Band Cannibal Koffer in Aktion. Foto: Felix Seyfert Zeit zum Genießen: die Jubiläumstour für langjährige MieterInnen der Gewobag. Foto: Felix Seyfert Eines der Hauptanliegen der Jubiläumstour: der Austausch zwischen Gewobag-MitarbeiterInnen und MieterInnen. Foto: Felix Seyfert Genau wie Meta Sonder und ihre Schwiegertochter Angelika lassen sich auch Rosemarie und Jana bei Schnellzeichner und Live-Karikaturist Daniel Stieglitz nieder, der im vorderen Bereich des Bootes seine Zeichenecke eingerichtet hat. Auch der 88-jährige Klaus Berchner lässt sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Roswitha karikieren, nachdem er zur Musik der Band das Tanzbein geschwungen hat. Er findet: „Diese Veranstaltung ist wirklich eine sehr großzügige Geste von der Gewobag.“ Wenn man so möchte, steht die Jubiläums-Bootstour somit stark im Zeichen bleibender Bilder. Klopfstangen sind von den meisten Höfen zwar verschwunden, die Erinnerungen daran jedoch nicht. Und ganz sicher sind an diesem Tag auf der Havel einige neue Erinnerungen dazugekommen. Titelfoto: Felix Seyfert
Daumen hoch! Schöneberger „Omabunker“ rockt die Berliner Kunstszene Neben Abdrücken hinterlassen sie vor allem bleibenden Eindruck: Die BewohnerInnen des selbsternannten „Omabunkers“ haben in Schöneberg ein inspirierendes Kunstwerk geschaffen und sind nun Teil einer gefeierten Ausstellung. Über ein bewundernswertes Projekt.
Ortsgeheimnisse, Teil I: Die tierisch interessante Historie der Steinmetzstraße Kuh- und Schweineställe in Berliner Hinterhöfen? Einst war das normal, heute ist es kaum noch vorstellbar. Vor einer Kiezstube in Schöneberg sind die Spuren jedoch sichtbar. Welche besondere Geschichte dahintersteckt? Das zeigt der Auftakt der neuen sowohntberlin-Reihe „Ortsgeheimnisse“.