Zehn Jahre Familienwohnung im Kiez: Vom Pilotprojekt zum Erfolgsmodell 3. Juli 2026Lesedauer: 5 Min. Artikel anhören Player schließen Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner zeigt sich „zutiefst beeindruckt“, Senatorin Katharina Günther-Wünsch gibt ein Finanzierungsversprechen: Bei ihrer Jubiläumsfeier erfährt die Familienwohnung im Kiez enorme Wertschätzung – und das aus gutem Grund. Während die zehn Jahre alte Norma im Spielzimmer auf dem Trampolin hüpft, werden in der Küche Getränke vorbereitet. Zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer befüllen Krüge mit Wasser, Minze und Zitronenscheiben und tragen sie in den Hof. Dort, mitten im Spandauer Gewobag-Quartier Falkenhagener Feld, ist an einem Freitag Ende Juni einiges los: An über 20 Stationen rund um den Kraepelinweg bis zur Falkenhagener Chaussee in können Kinder und Erwachsene Rätsel raten, Sandbilder erstellen, Steine bemalen oder sich selbst einen Fächer basteln. Es gibt eine aufblasbare Torwand, ein XXL-Vier-gewinnt-Spiel sowie kostenlos Kuchen, Hot Dogs, Eis und erfrischende Getränke. Der Anlass? Gemeinsam mit der Stiftung Berliner Leben und der casablanca gGmbH hat die Gewobag zu einem großen Geburtstagsfest im Quartiersfest eingeladen. Große Anerkennung für großes Engagement Direkt vor dem Kraepelinweg 13 ist eine Bühne aufgebaut, auf der sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, Katharina Günther-Wünsch (Senatorin für Bildung, Jugend und Familie), Stephan Machulik (Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz), Tanja Franzke (Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit), Raik Depil (Geschäftsführer casablanca gGmbH), Markus Terboven (Vorstand der Gewobag) und Dr. Hans-Michael Brey (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Berliner Leben) eingefunden haben. Sie alle überbringen ihre Glückwünsche zum zehnjährigen Bestehen einer außergewöhnlichen Einrichtung: der Familienwohnung im Kiez. Zudem wird der Start von Stadtraum!Plus im Falkenhagener Feld gefeiert, einem Programm der Stiftung Berliner Leben. Beate Amler (r.) und Mandy Rentzsch (l.) aus dem Leitungsteam der Familienwohnung im Kiez mit ihrer früheren Kollegin Dorthe Kreckel. Foto: City-Press GmbH Kai Wegner würdigt das Engagement von Dorthe Kreckel, die die Familienwohnung im Kiez maßgeblich geprägt hat. Foto: City-Press GmbH Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie. Foto: City-Press GmbH Stephan Machulik, Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz. Foto. City-Press GmbH Tanja Franzke, Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit. Foto: City-Press GmbH Markus Terboven, Vorstand der Gewobag. Foto: City-Press GmbH Raik Depil, Geschäftsführer der casablanca gGmbH. Foto: City-Press GmbH V.l.n.r.: Markus Terboven, Dr. Hans-Michael Brey, Kai Wegner, Beate Amler und Mandy Rentzsch, Katharina Günther-Wünsch, Stephan Machulik, Tanja Franzke und Raik Depil. Foto: City-Press GmbH „Als ich das erste Mal von der Familienwohnung im Kiez hörte, war mir noch nicht klar, was daran so ungewöhnlich sein sollte“, sagt Kai Wegner. „Aber dann habe ich mir das angeschaut und was ich für engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesehen habe, was die mir für bewegende Geschichten erzählt haben – auch darüber, wie man Kindern gezielt helfen kann in den Bereichen Bildung, Kinderschutz und anderen Themen, wie man ein Treffpunkt sein kann, für Kinder, für Familien und Tippgeber für Eltern – das hat mich zutiefst beeindruckt.“ Über 51.000 Kinderbesuche sprechen für sich Die Wohnung im Kraepelinweg 13, in der Norma ihre Energie auf dem Trampolin lässt, war 2016 die erste von inzwischen drei Familienwohnungen, die jeweils in Häusern der Gewobag beheimatet sind. Ausgangspunkt für die Gründung der Einrichtung war eine angespannte Lage im Quartier. Beeinträchtigte Kindersicherheit und eine hohe Zahl an Kinderschutzmeldungen brachten Jugendamt, Gewobag, casablanca und Quartiersmanagement an einen Tisch. Ursprünglich gesucht war eine Ladenfläche. Weil sich im direkten Umfeld keine fand, wich man auf eine Erdgeschosswohnung aus. Was zunächst wie eine Notlösung wirkte, wurde zum Kern des Konzepts: Kinder, Familien und Anwohnerschaft erkennen in den Räumen ihre eigene Wohnung wieder und fühlen sich vom ersten Moment an zu Hause. Jeder Raum erfüllt eine eigene Funktion – die Küche als zentraler Treffpunkt zum Plaudern und für das wöchentliche Kiezfrühstück, ein Gruppenzimmer für die tägliche Essensrunde und Hausaufgaben, ein Kreativzimmer mit Bastelmaterial, ein Spielzimmer mit Trampolin und Sitzsäcken sowie ein Lese- und Beratungszimmer mit Sesseln, Büchern und E-Piano. Geöffnet ist täglich, und der Zugang ist bewusst niedrigschwellig: ohne Anmeldung, ohne starre Zeitvorgaben. Broschüre zum Download Bei der Entwicklung des Konzepts der Familienwohnung im Kiez war die Gewobag von Beginn an beteiligt. Seither zählt das Unternehmen durchgängig zu den Förderern des Projekts. Um diese außergewöhnliche Einrichtung noch sichtbarer zu machen, wurde zum Jubiläum eine 24 Seiten starke Broschüre mit ausführlichen Hintergrundinformationen, Beispielprojekten und vielfältigen Einblicken erstellt. Zum Download Die Familienwohnungen im Kiez zählten in den vergangenen zehn Jahren über 51.000 Kinderbesuche an Spielenachmittagen, rund 16.000 Teilnahmen an Hausaufgabenhilfen, etwa 25.000 Besuche bei Kiezfrühstücken und 7.900 in Anspruch genommene Sozial- und Familienberatungen. „Ich komme hierher, seit ich fünf Jahre alt bin“, sagt Norma. Mieterin Peggy, die seit 2007 im Kiez wohnt und gerade am Getränkeausschank hilft, sagt: „Mein Sohn war oft in der Familienwohnung und hatte immer viel Spaß dort. Die lassen sich ganz schön was einfallen.“ Oft beginnt die Hilfe mit einem Kaffee Der Einsatz kommt aus dem Team der sozialpädagogischen Fachkräfte von casablanca, aber auch von Ehrenamtlichen wie Vera Spichalsky, die sich nach ihrer Berentung zunächst als Vorlesepatin und Helferin bei den Hausaufgaben engagierte und inzwischen jeden Donnerstag die Lebensmittelausgabe der Tafel betreut. Über das Spiel- und Freizeitangebot hinaus ist die Familienwohnung ein Ort der niedrigschwelligen Sozial- und Familienberatung und ein Weitervermittlungs-Hub. Viele kommen zunächst mit unkomplizierten Fragen, etwa zum Verständnis von Behördenschreiben oder wegen sprachlicher Hürden. Oft beginnt die Hilfe bei einem gemeinsamen Kaffee. Aus diesen Kontakten wächst über Wochen und Monate Vertrauen, das tiefere Themen ermöglicht. „Drei Standorte sind zu wenig. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dieses Angebot Stück für Stück weiter auszubauen. Sie haben uns da an Ihrer Seite.“Kai Wegner, Regierender Bürgermeister Für die Gewobag, die die raumbezogenen Kosten der Familienwohnungen trägt, ist die Einrichtung eine essenzielle Partnerin in der sozialen Quartiersentwicklung. Einerseits kommen dort Themen, Sorgen und Wünsche aus der Mieterschaft zur Sprache, dieanschließend ans Wohnungsunternehmen herangetragen werden; zugleich werden Gewobag-Angebote wie Schwimmkurse mit den Wasserfreunden Spandau 04 über die Einrichtungen in die Familien gespielt. Dasselbe gilt für Angebote der Stiftung Berliner Leben, die zum Beispiel Ferienreisen an den Ruppiner See ermöglicht. Viel Leidenschaft und Herzblut „Ein ganz besonderer Dank geht an die Gewobag, die kontinuierlich an der Seite der Familienwohnung steht und ohne die es keine Familienwohnung gäbe“, sagt Raik Depil, Geschäftsführer der casablanca gGmbH. Außerdem bedankt er sich speziell bei Dorthe Kreckel, die die Familienwohnungen von 2016 bis 2026 maßgeblich prägte, dem Konzept „Seele eingehaucht und die KollegInnen damit angesteckt hat“. Kreckel war es auch, die Kai Wegner einst das Thema Familienwohnung nahebrachte, erzählt der Regierende Bürgermeister: „Sie waren die Wortführerin und haben ihre Erwartungen sehr klar geäußert. So etwas beeindruckt mich, vor allem dann, wenn sie von Menschen kommt, die mit ganz viel Leidenschaft und ganz viel Herzblut diese Ideen nicht nur tragen, sondern leben.“ Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Sichere Anlaufstelle mit vielfältigen Angeboten: die Familienwohnung im Kiez. Foto: City-Press GmbH Senatorin Katharina Günther-Wünsch erinnert sich: „Ich weiß noch, wie wir vor zwei Jahren in der Küche der Familienwohnung standen und ich ihnen zusagen konnte, dass die Finanzierung gesichert ist. Und ich sage ihnen das weiterhin zu.“ Beispielprojekt für ganz Berlin Während Dorthe Kreckel die Aussagen lächelnd entgegennimmt, tupft Ina Preißler sich mit einem Taschentuch ein paar Tränen aus dem Gesicht. „Das geht mir nahe“, sagt die Bereichsleiterin Kommunikation und Gremien der Gewobag. Gemeinsam mit den Netzwerkmitgliedern hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder für die Weiterfinanzierung des Projekts gekämpft. Der laufende Betrieb hing lange an einer jährlich neu zu sichernden Patchwork-Finanzierung aus Mitteln von Bezirk und mehreren Senatsverwaltungen, langfristige Planungssicherheit gab es nicht. „Für die Menschen, die hier arbeiten, ist das so schön, dass die Finanzierung jetzt steht. Hier steckt so viel Herz drin“, sagt sie. Senatorin Katharina Günther-Wünsch wagt sich noch etwas weiter hinaus: „Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Arbeit, die einen Leuchtturm für ganz Berlin darstellen sollte. Es muss unser aller Aufgabe sein, das, was hier in Spandau gut funktioniert, in die anderen elf Bezirke zu tragen.“ Auch Kai Wegner sagt: „Drei Standorte sind zu wenig. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dieses Angebot Stück für Stück weiter auszubauen. Sie haben uns da an Ihrer Seite.“ Jeder Beitrag hilft! Kostenfrei heißt nicht kostenlos. Was für Kinder, Familien und NachbarInnen gratis ist, benötigt anderswo Ressourcen. Die Familienwohnungen im Kiez zu erhalten und die Angebote weiterzuentwickeln, gelingt nur mit vielfältiger finanzieller Unterstützung. Jetzt spenden! Titelfoto: City-Press GmbH
Jeder Beitrag hilft! Kostenfrei heißt nicht kostenlos. Was für Kinder, Familien und NachbarInnen gratis ist, benötigt anderswo Ressourcen. Die Familienwohnungen im Kiez zu erhalten und die Angebote weiterzuentwickeln, gelingt nur mit vielfältiger finanzieller Unterstützung. Jetzt spenden!
Start von Stadtraum!Plus im Falkenhagener Feld: Ein Programm mit Punch Boxen, Tanzen, ein neues Wandbild und vieles mehr: Mit einem Quartiersfest ist im Falkenhagener Feld der Startschuss für Stadtraum!Plus gefallen. Das Programm der Stiftung Berliner Leben stärkt die soziale Quartiersentwicklung auf vielfältige Art und Weise. Der Auftakt zeigt: Das Angebot begeistert!
Neue Anlaufstelle im Quartier – und ein Beispiel für Berlin Das Erfolgskonzept wächst: Mit der Eröffnung der dritten Offenen Familienwohnung in Spandau erhält das Quartier an der Heerstraße ein neues Angebot für Kinder, Familien und Nachbarschaft. Warum das Modellprojekt zum Vorbild für andere Stadtteile taugt.