Drei Schälchen nebeneinander mit Grünsprossen in den verschiedenen Keimstadien

Sprossen, Microgreens & Co. – Superfood aus der eigenen Küche

Hingucker auf dem Butterbrot und gesunder Vitaminkick auch im Winter: Gartenbloggerin und Gewobag-Mieterin Carolin Engwert zieht in ihrer Küche leckere Sprossen. Hier erklärt sie, wie einfach das geht.

Na klar, geerntet wird bei mir auch in der kalten Jahreszeit. Im Winter erfreue ich mich an Grünkohl, Postelein und anderem Wintergemüse, aber nicht jeder hat einen (Schreber-)Garten und auch ich bin gerade seltener dort als im Sommer.

Wenn es draußen kalt und grau ist, habe ich jedoch immer besonders viel Lust auf frische und gesunde Lebensmittel. Das Gute: Im Winter kann man drinnen gärtnern und leckere Sprossen direkt in der Küche ziehen.

Sprossen – klein aber oho

Sprossen und Keime sind im Vergleich zu ausgewachsenen Pflanzen besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen, etwa Vitamin B1, B2, C, E, Magnesium, Eisen, Kalzium und Zink. Zudem enthalten sie Ballaststoffe und Proteine.

Wenn man sie selbst anbaut, sind die Sprossen immer verfügbar und kommen frisch auf den Salat oder das Brot. Eine tolle Ergänzung, für die es keine teuren Geräte oder Zubehör braucht.

Keimsprossen, Grünsprossen, Microgreens – was ist das überhaupt?

Bei Sprossen und Microgreens handelt sich um unterschiedliche Stadien von jungen Gemüsepflanzen. Keimsprossen (sozusagen die Pflanzenbabys) benötigen kein Substrat und werden ohne Erde in einem Keimglas kultiviert und später komplett gegessen.

Grünsprossen (die Kleinkinder) sind die Keimblätter von Gemüsepflanzen. Sie werden gern auf Wattepads ausgesät und kurz darauf durch Abschneiden geerntet.

Microgreens (die Pflanzenteenager) sind „richtige“ junge Blätter von Salat und Co. Sie benötigen auf jeden Fall Erde, da sie – um sich über längere Zeit gut zu entwickeln – auch Nährstoffe brauchen, die sie mit den Wurzeln aus dem Substrat aufnehmen.

Verschiedene Sprossen und Microgreens
Leckere Hingucker: verschiedene Keimsprossen, Grünsprossen und Microgreens. Foto: Carolin Engwert

Keimsprossen ziehen

Keimlinge sind die schnellste und einfachste Möglichkeit, frisches Grün auf den Teller zu bringen. Wie das geht? Für die Anzucht einfach zwei Esslöffel Sprossenmix über Nacht in Wasser quellen lassen. Eingeweichte Samen in ein selbstgebasteltes Keimglas geben, überschüssiges Wasser abgießen. Das Keimgefäß danach schräg auf ein Trinkglas mit einem etwas größeren Durchmesser stellen, so tropft überschüssige Flüssigkeit ab.

Die Sprossen nun wie oben beschrieben ein- bis zweimal pro Tag mit frischem Wasser spülen. Mit diesem Restwasser kann man zum Beispiel Zimmerpflanzen gießen. Je nach Saatgut sind die Sprossen nach drei bis sieben Tagen gekeimt und verzehrfertig.

Eine Hand hält ein Glas mit in Wasser eingelegten Samen
Sprossen sollten im Keimglas ein- bis zweimal am Tag mit frischem Wasser gespült werden. Foto: Carolin Engwert

Keimglas selbst machen

Aus den folgenden Materialien kann ein Keimglas schnell und einfach selbst gemacht werden. Dazu Gaze oder Fliegengitter mit dem Gummiband befestigen und überschüssiges Material rundherum abschneiden.

Benötigt werden:

  • Glas mit Rand, z. B. Weckglas
  • Gummiband
  • etwas Gaze oder Fliegengitter
Ein leeres Glas mit Netz statt Deckel, ein Glas mit Buchweizen, ein Glas mit Erbsen, eine Schere, Gummiband.
Keimglas-DIY: ganz schnell und einfach selbst gemacht. Foto: Carolin Engwert.

Grünsprossen ziehen

Einige Wattepads anfeuchten, auslegen und etwas Saatgut relativ dicht darauf streuen. Nun ein Einmachglas oder eine durchsichtige Tüte überstülpen, um ein feuchtes Kleinklima zu erzeugen und abwarten.

Wichtig: Einmal täglich lüften, um Schimmel zu vermeiden und nur bei Anzeichen von Trockenheit gießen. Da Grünsprossen sehr schnell wachsen, können Sie bereits nach einigen Tagen geerntet werden.

Drei Schälchen nebeneineinander mit Grünsprossen, Weizengras und Sonnenblumenkresse
Grünsprossen, Weizengras und Sonnenblumenkresse. Foto: Carolin Engwert

Sprossen aufbewahren

Gekeimte Sprossen halten sich im Kühlschrank ein paar Tage, am besten schmecken sie aber frisch – außerdem sind sie schnell wieder neu nachgezogen. Da sie zum Austrocknen neigen, am besten in einem verschließbaren Behälter aufbewahren und schnell verbrauchen.

Microgreens anbauen und ernten

Wenn man Grünsprossen auf Erde aussät und nach dem Keimstadium weiterwachsen lässt, entwickeln sich bald die ersten größeren Blätter, die wahlweise durch Abschneiden oder Abpflücken geerntet werden können. Das Abpflücken hat den Vorteil, dass die Pflanze nachwächst und man sie somit längere Zeit ernten kann.

Drei Gefäße jeweils mit Erbsen, Salat und rote Beete
Grünsprossen auf Erde aussäen und Microgreens ernten. Foto: Carolin Engwert

Welches Saatgut ist geeignet?

Zur Anzucht eignet sich handelsübliches Saatgut. Es klappen fast alle Blattgemüse, zum Beispiel Kresse, Rauke, Kohl, Rote Bete, oder Senf. In Biomärkten und Gartencentern gibt es mittlerweile Packungen mit größeren Samenmengen extra für Sprossen und Microgreens.

Drei Schälchen nebeneinander mit Grünsprossen in den verschiedenen Keimstadien
Frisches Grün in wenigen Tagen: Sprossen in den verschiedenen Stadien. Foto: Carolin Engwert

Keep it clean! Hygieneregeln bei der Anzucht

Alle Utensilien vorab mit 100 Grad Celsius heißem Wasser ausspülen. Das Saatgut aber natürlich nicht in kochendes Wasser geben, da es dadurch unbrauchbar würde. Sollten die fertigen Sprossen einmal muffig erscheinen, bitte zur Sicherheit entsorgen.

Empfehlung: Erbsensprossen

Erbsensprossen gelingen eigentlich immer und bereiten auch Kindern Spaß. Dafür einfach eine Handvoll getrocknete Erbsen aus dem Bioladen über Nacht in lauwarmem Wasser einweichen, in einem Schälchen mit Aussaaterde verteilen und mit einem Glas oder einer Tüte abdecken. Schon nach ein bis zwei Tagen ist das erste Grün zu sehen und die Haube kann abgenommen werden. Täglich mit etwas Leitungswasser besprühen und nach sieben bis zehn Tagen ernten. Sie schmecken nach Erbsen und sind toll, um ein Eiersandwich aufzupeppen, als Zutat für ein Omelett oder im grünen Smoothie, zum Beispiel mit Minze und Beeren.

Titelbild: Carolin Engwert

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