Aufnahme aus der Vogelperspektive: diverse Menschen bei einem Quartiersfest vor einem Aktionsbus. Einige Personen bereiten an langen Tischen Pizza zu. Foto. Ralph Maak

Hier zieht Gemeinschaft ein: Erstes Nachbarschaftsfest im Neuen Gartenfeld

Pizzaduft, Kinderlachen und entspannte Atmosphäre: Im Neuen Gartenfeld kommen die ersten MieterInnen zum Premieren-Hoffest zusammen und füllen das Zukunftsquartier mit Leben. Über einen besonderen Auftakt – und Chancen für all jene, die aktuell eine Wohnung suchen.

Im Neuen Gartenfeld ist vieles noch im Entstehen, doch an einem Mittwoch Anfang Juni zieht der Duft frisch gebackener Pizza durch einen Innenhof in der Moderlieschenstraße 60-70. Kinderlachen hallt bis zu den umliegenden Baustellen im neuen Spandauer Zukunftsquartier, dorthin, wo noch fleißig gebaggert wird.

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Dass jenseits der Bauzäune und Rohbauten schon Leben eingezogen ist, wird an diesem Tag schnell spürbar. Luftballons und Aufsteller weisen auf das nachmittägliche Hoffest hin – das erste Event überhaupt in diesem entstehenden Stadtteil. Für drei Stunden werden ein Doppeldecker-Spielbus und ein Festpavillon zum Treffpunkt für viele neue Nachbarinnen und Nachbarn, zum Kennenlernen und Austauschen, während die Kleinen an einer Tafel eifrig Pizzateig rollen.

Vernetzung und Austausch

„Das Fest ist ein Auftakt für unsere neuen Mieterinnen und Mieter“, sagt Gewobag-Quartierskoordinatorin Ilkin Akpinar. „Viele sind erst kürzlich eingezogen und müssen erst mal richtig ankommen. Solche Angebote wie heute schaffen Raum, um sich kennenzulernen, Bedürfnisse aufzunehmen und erste Nachbarschaftsbeziehungen zu stiften.“ Gewobag-Mitarbeitende, Technik- und Hausmeisterteams sind beim Fest präsent und informieren über Anlaufstellen im neuen Quartier.

Das Neue Gartenfeld entsteht auf einem ehemaligen Industrieareal. Künftig werden dort etwa 10.000 Menschen leben. Die Gewobag baut hier bis 2028 rund 1.500 Wohnungen. Im Januar zogen die ersten Menschen ein. Geplant sind zudem auch Kitas, eine Schule, Gewerbeeinheiten und Mobilityhubs. Perspektivisch soll eine S-Bahn-Linie so ausgebaut werden, dass die von alten Schifffahrtskanälen umgebene Insel gut an den Nahverkehr angebunden ist.

„Zwei Gebäude sind bereits bezogen, zwei weitere werden im Sommer fertig und sind ab 1. August beziehbar“, erklärt Akpinar. „Derzeit sind rund 200 Wohneinheiten belegt, vor allem von Familien.“ Das Setting ist dabei für viele BewohnerInnen gleich. Sich einrichten, Versorgungsstrukturen entwickeln, einen Alltag etablieren – das alles gehört dazu, genauso wie nach und nach eine nachbarschaftliche Gemeinschaft aufzubauen.

Vielfältige Nachbarschaft

Auf dem Fest fungiert dabei der Doppeldeckerbus des Sozialvereins Linie 94 als zentraler Ankerpunkt: Unter Anleitung rühren Kinder Teig und belegen danach Pizzen, die sie in mobilen Öfen schieben. Am Pavillon können sich BesucherInnen mit Getränken versorgen. Auf Sitzgelegenheiten reden Familien angeregt, viele Eltern mit Kinderwagen, ältere Kinder rennen und klettern im Bus, alles bunt gemischt. Auch Yulia Nikolaeva aus der Ukraine ist mit ihrer Familie hier im Quartier. „Wir waren die ersten, die im Januar den Schlüssel bekommen haben“, sagt sie. „Wir sind sehr happy.“ Ihr Sohn im Kinderwagen scheint sich über den Anblick des Busses genauso zu freuen wie ihre älteren Kinder.

„Hier gibt es BewohnerInnen, die Ukrainisch, Arabisch oder Farsi sprechen“, berichtet Quartierskoordinatorin Akpinar, „aber auch Menschen ohne Migrationshintergrund.“ Kommunikation funktioniert zum Teil mit Händen und Füßen, manchmal auch mit einer Übersetzungs-App auf dem Handy. Ihr Eindruck ist davon unberührt. „Die Menschen sind sehr froh darüber, dass ein Fest stattfindet.“ Es sei natürlich noch früh, aber sie bekomme bereits mit, welche Themen die Mieterinnen und Mieter bewegen, sei es beim Müllmanagement oder der Grünflächengestaltung.  

Potenzial für Ideen und Initiativen

Interesse an gemeinschaftlichen Gartenprojekten ist bereits spürbar, etwa bei Mohammed Alsoubh, der seit Januar hier wohnt. „Rundum Pflanzen wären super. Wir haben den Platz dafür.“ Tatsächlich gibt es viel Potenzial für Ideen und Initiativen. Noch gibt es keinen Supermarkt, keinen Späti. Bei alltäglichen Besorgungen hilft die neue Buslinie, die seit April fährt.



Mohammed Alsoubh sieht’s als Chance. „Ich überlege, hier einen Kiosk zu eröffnen“, sagt der Deutsch-Syrer, der seit zehn Jahren in Berlin lebt. Auch Yulia Nikolaeva sagt: „Wir brauchen natürlich einen Markt und eine Kita, aber wir warten.“ Erst einmal ist sie froh, im März 2025 dem Krieg in ihrer Heimat entkommen zu sein. „Wir leben jetzt hier und warten, bis der Krieg endet. Wir beten für Frieden.“

Im Neuen Gartenfeld entstehen derweil immer mehr Vernetzungen. Bei alltäglichen Herausforderungen helfen das Landesprogramm Stadtteilmütter, dessen Vertreterinnen beim Hoffest vor Ort sind, oder in anderen Fällen die ebenfalls präsenten Hauswarte, die Akpinar „die heimlichen Stars“ nennt.

Gute Chancen auf Mietwohnungen

Ähnliche Veranstaltungen sollen folgen, nicht zuletzt, weil demnächst viele weitere Menschen einziehen. „Im Herbst und im Winter wollen wir wieder etwas anbieten“, sagt die Quartierskoordinatorin, auch MieterInnenversammlungen und ähnliche Formate seien hier denkbar.

Für all jene, die beim nächsten Pizzabacken dabei sein möchten: Es gibt noch Wohnungen im Neuen Gartenfeld, einige auch ohne Wohnberechtigungsschein (WBS). In der Rückschau waren viele BesucherInnen auf dem Hoffest überrascht, wie schnell sie einziehen konnten. Ein Beispiel, das zeigt: Bei der Wohnungssuche gibt es nach wie vor attraktive Chancen. Die „First Mover“ im Neuen Gartenfeld sind jedenfalls von Beginn an dabei, wenn etwas Neues entsteht – als Quartier, als Nachbarschaft und damit auch als Lebensgefühl.   

Titelfoto: Ralph Maak

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