Mietertreff im Treppenhaus an einer Kaffeetafel.

Treffpunkt am Treppenhaus: Wie eine Kaffeerunde ihr Glück im Hausflur fand

Für die meisten Menschen ist der Hausflur nur ein Durchgangsort, doch eine Hausgemeinschaft im Gewobag-Quartier Tegel Süd macht ihn seit Jahrzehnten zur guten Stube. Was als spontane Idee begann, hat die BewohnerInnen auf erstaunliche Art bereichert.  

Sonntagnachmittag im dritten Stock eines Hochhauses im Quartier Tegel Süd. Der Kaffee ist fertig, der Käsekuchen steht auf dem Tisch, sechs Nachbarinnen und Nachbarn haben bereits Platz genommen. Viel erklären muss Brigitte Meyer ihren Gästen nicht. Alle wissen, warum sie hier sind. Alle zwei Wochen ist halt Kaffeesonntag.

Der Treffpunkt liegt direkt vor Brigitte Meyers Wohnung. An einem großen Fenster im Flur steht ein Tisch mit acht Stühlen, bis zum Treppenhaus ist es von dort nur ein Katzensprung. Heute wird hier erzählt und gelacht. „Früher haben wir sogar getanzt“, erinnert sich Brigitte Meyer und lacht: „Da waren wir aber noch ein bisschen jünger.“

Aus einem Kaffee werden fast 50 Jahre

Wann und wie das Ganze begann? Als Brigitte Meyer mit ihrem Mann 1971 ins Gewobag-Quartier Tegel Süd zog, war sie erst 25 Jahre alt. Einige Jahre später begann sie, die Nachbarschaft regelmäßig zusammenzubringen. Was als gelegentliches Treffen begann, wurde schnell zur Tradition.

Viele der 27 Mietparteien im Haus leben schon seit Jahrzehnten hier. Und so kennt man sich nicht nur vom kurzen „Hallo“ an der Wohnungstür. Es wurde gemeinsam gefeiert und gegessen. Zum Tanz in den Mai kamen früher rund 30 Gäste. Der Flur wurde mit Girlanden geschmückt, dazu gab es ein Buffet.

Heute geht es etwas ruhiger zu. Brigitte Meyer verteilt Käsekuchen an ihre Gäste. „Normalerweise backe ich selbst“, sagt die 79-Jährige, „aber heute habe ich ausnahmsweise einen Kuchen beim Bäcker gekauft.“ Wer Kaffee und Kuchen mitbringt, wechselt. Vor allem an Geburtstagen kommen alle mal dran und jeder oder jede bekommt einen eigenen Geburtstagskuchen.

Nachbarschaft heißt auch, sich gegenseitig zu helfen – das hat Brigitte Meyer selbst erlebt. Im Sommer brach sie sich den Fuß und konnte einige Wochen nur eingeschränkt das Haus verlassen. Ihre Nachbarin Karin kümmerte sich rührend um sie.

Mit den NachbarInnen bis nach Norwegen

„Die Hausgemeinschaft ist wirklich wunderbar hier“, sagt Brigitte Meyer und schaut liebevoll zu ihrer Nachbarin neben sich. Die gibt das Kompliment gleich zurück. „Es ist wirklich toll, was Brigitte auf die Beine gestellt hat. Hier können wir uns immer über alles austauschen, was wir erlebt haben.“

Irgendwann reichte Brigitte Meyer ihr Haus als Treffpunkt nicht mehr. Also organisierte sie in manchen Jahren gemeinsame Reisen – unter anderem nach Norwegen und in die Schweiz. Dafür mietete sie einen Bus samt Fahrer und beschaffte sogar Bierbänke und Proviant. „Das war richtig schön“, erinnert sie sich. „Aber das schaffen wir jetzt nicht mehr.“ Geblieben sind die Erinnerungen und die Freundschaften, die über die Jahre aus den regelmäßigen Treffen entstanden sind.

Gemeinschaft hört nicht an der Haustür auf

Menschen zusammenzubringen – das zieht sich durch Brigitte Meyers Leben. Früher arbeitete sie als Erzieherin und Verkäuferin. Heute ist sie Vorsitzende des Mieterrates der Gewobag. Außerdem engagiert sie sich aktiv im Aufsichtsrat der Gewobag, nachdem sie viele Jahre Mitglied des Mieterbeirates im Quartier gewesen ist.

Auch in der Kiezstube in Tegel Süd ist sie regelmäßig anzutreffen. Dort organisiert sie einen Seniorennachmittag. Rund zwölf Menschen aus dem Quartier kommen dort zusammen, um Canasta zu spielen und sich auszutauschen.

Eine Tradition, die weiterlebt

Viele in der Runde kennen sich seit Jahrzehnten. Eine Nachbarin kommt bereits seit 20 Jahren zu den Kaffeesonntagen. Gleichzeitig sind neue Menschen dazugekommen. Familie Kluge beispielsweise ist jetzt regelmäßig dabei. Manchmal sitzen mit Mutter, Tochter und Enkeltochter gleich drei Generationen am Tisch.

Und die Nachbarschaft findet immer wieder neue Anlässe, um zusammenzukommen. Seit fünf Jahren treffen sich Bewohnerinnen und Bewohner im Sommer mittlerweile auch zum gemeinsamen Grillen im Erdgeschoss.

Fast 50 Jahre nach den ersten Kaffeetreffen ist aus Brigitte Meyers Idee längst eine feste Tradition geworden, die mehrere Generationen verbindet. „Mir macht das einfach Spaß, so eine Gemeinschaft aufzubauen“, sagt die 79-Jährige und schaut in die Runde. „Das ist mein Leben.“ Ihre Gäste applaudieren.

Gewobag-Kiezstuben: Auf gute Nachbarschaft

Gute Nachbarschaft beginnt oft mit einer einfachen Idee. Wer selbst Menschen aus seinem Quartier zusammenbringen möchte, findet dafür in verschiedenen Gewobag-Quartieren einen passenden Ort: die Kiezstuben.

Dort gibt es vielfältige Angebote für unterschiedliche Generationen. Zudem sind AnwohnerInnen eingeladen, die Räumlichkeiten selbst zu nutzen.

Titelfoto: Ralph Maak

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