Drei Menschen stehen eng beisammen und lachen bei einem Gartenfest. Foto: Ralph Maak

Neuer Garten in der Rollbergesiedlung: Wo Kräuter wachsen, wächst Gemeinschaft

Im Reinickendorfer Gewobag-Quartier ist im Frühherbst ein neuer Gemeinschaftsgarten eingeweiht worden. Über ein Projekt, das guten Nährboden bietet – für Kräuter, und für das Wir-Gefühl der Nachbarschaft.

Auch wenn er mit bunten Wimpeln geschmückt ist: Der neue Kräutergarten in der Reinickendorfer Rollbergesiedlung liegt etwas versteckt. Die umliegenden Hecken bilden fast ein kleines Labyrinth, doch wer sich vorarbeitet, findet ein kleines Fest. Mit Kaffee, Kuchen und Musik feiern die Anwohnerinnen und Anwohner hier Ende September die Einweihung eines Ortes, der zuvor verwildert war und nun Gemeinschaft stiften soll.

„Aus einem ehemaligen Rosengarten wird ein gemeinschaftlicher Kräutergarten“, fasst Gewobag-Quartierskoordinatorin Karoline Kirschner das Projekt zusammen, während sie das Fest mit vorbereitet. Seit Ende 2019 gehört die Rollbergesiedlung mit rund 2.500 Wohneinheiten im 60er- und 70er-Jahre-Stil zum Bestand des Wohnungsunternehmens. Drei Rosengärten gab es hier früher – einer davon liegt zwischen Todtnauer Zeile und Titiseestraße und wurde seit Jahren kaum noch genutzt.


Der Restlos glücklich e. V. hat den Garten seit Mai schrittweise umgestaltet, gefördert vom Quartiersmanagement Titiseestraße. Anwohnende können jetzt aktiv mitpflanzen und später Essbares ernten. „Mein Traum wäre, dass alle Menschen hier interkulturell zusammenkommen“, sagt Tanja Krakowski, die Bildungsreferentin des Vereins. In
„Restlos glücklich“-Schürze eilt sie umher und stellt Kräuterbrot, Eintopf und Getränke auf Festtische.

Neue Anlaufstelle im Quartier

Die ersten Gäste kommen, lassen sich die neuen Beete zeigen. Kinder lernen Kräuternamen, reiben frische Pflanzen und schnuppern daran. Noch ist einiges zu tun, es werden helfende Hände gesucht. „Das Gestrüpp haben wir entfernt, die Hochbeete sind wirklich schön geworden“, sagt Krakowski. „Wir sind jedoch angewiesen auf Menschen aus dem Quartier, die den Garten am Leben halten.“

Einer, der sich regelmäßig beteiligt, ist Mohammad. Er kommt zweimal pro Woche, um zu gießen. Sein Lieblingsprojekt dabei: ein Olivenbaum. „Der kommt aus Arabien und darf nicht fehlen“, sagt der Syrer strahlend und appelliert an die Nachbarschaft, mitzumachen. „Kümmert euch um die Natur, um die Tiere und umeinander“, lautet die Botschaft, die er weitergeben möchte.

Auch die Gewobag fördert aus Überzeugung gemeinschaftsstiftende Initiativen in Quartieren: „Wir freuen uns, dass der Ort wieder zum Leben erweckt wird und unterstützen das Projekt strukturell“, erklärt Quartierskoordinatorin Karoline Kirschner. Ein Wasseranschluss wurde installiert (die Kosten trägt natürlich die Gewobag), außerdem wurden neue Mülleimer aufgestellt und eine abschließbare Gerätebox genehmigt, damit nichts wegkommt.

Chance zur aktiven Beteiligung

Dass es in einer Großsiedlung wie den Rollbergen zu Sachbeschädigungen kommt, ist keine Seltenheit – ein Umstand, der sich gern ändern darf. Karoline Kirschner ist überzeugt: „Wo Menschen Verantwortung für ihr Quartier übernehmen, passiert weniger Vandalismus.“ Allerdings äußern ältere Anwohnerinnen auf einer Bank Skepsis: „Früher waren hier Rosen, die wurden alle geklaut. Dann war Feierabend, nur noch Wildwuchs.“

Der neue Garten soll nachhaltiger sein, in jeder Hinsicht. Im Beet finden sich Gewächse, die Dürre vertragen: Thymian, Salbei, Spitzwegerich, Schafgarbe. „Bisher kam nichts weg“, sagt Krakowski. Und der Ort kommt gut an. Anwohnerin Ceren lässt sich mit ihren Töchtern Beete zeigen und sagt: „Wir freuen uns, dass hier was gemacht wird.“ Vorher ging es hier oft lebhafter zu, vor allem weil Jugendliche den Ort genutzt haben. Jetzt lädt das Grün zusätzlich auch Kinder und ältere Menschen dazu ein, die entspannte Atmosphäre zu genießen. Zum Fest darf es allerdings noch mal lauter sein, denn eine Oud, eine arabische Laute, sorgt für musikalische Begleitung.

Die Einweihung soll natürlich erst ein Anfang sein. „Im nächsten Jahr wird es weitergehen“, kündigt Krakowski an. QR-Codes und Flyer liegen aus, die Gewobag bewirbt den Garten. „Wir hoffen, dass er von der Nachbarschaft genutzt wird“, sagte Karoline Kirschner. Und nicht hinter Hecken versteckt bleibt.

Ideen säen, Erfolge ernten

Gründung & Standort: Der gemeinnützige Bildungsverein Restlos glücklich wurde 2015 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin-Neukölln. Das Team arbeitet projektbasiert berlinweit, teilweise deutschlandweit.

Mission: Nachhaltige Ernährung und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung stehen im Mittelpunkt. Ziel ist es, Menschen für eine Ernährungsweise zu sensibilisieren, die gut für sie selbst und für den Planeten ist. Mit verschiedenen Projekten und Angeboten zeigt der Verein, wie einfach, gesund und lecker eine nachhaltige Ernährungsweise im Alltag sein kann.

Arbeitsweise: Das Vereinsteam folgt einem Partizipationsansatz – Projekte sind darauf ausgelegt, dass Menschen sich selbst einbringen. Statt alles allein zu organisieren, sucht Restlos glücklich aktiv lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die vor Ort Verantwortung übernehmen und Projekte eigenständig weiterführen.

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Titelfoto: Ralph Maak

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