So bleibt die Wohnung im Sommer kühl: Die wirksamsten Tipps für MieterInnen 16. Juli 2026Lesedauer: 5 Min. Berlin wird heißer, an den wärmsten Tagen kühlt es nachts kaum noch ab. Die gute Nachricht: Viele der wirksamsten Gegenmaßnahmen kosten keinen Cent. Was wirklich hilft, was das Mietrecht zulässt und welche Tipps überschätzt sind. Die drei wichtigsten Tipps vorab: Tagsüber Fenster schließen, morgens und nachts konsequent querlüften, Räume vor der Sonne abdunkeln – am besten bevor die Strahlen ins Zimmer treffen. Wer diese drei Regeln befolgt, kann die Raumtemperatur spürbar senken. Was dahinter steckt, was Sonnenschutzfolien können und was MieterInnen beim Thema Klimaanlage wissen müssen, erklärt der folgende Überblick. Warum Berliner Wohnungen heute stärker überhitzen Berlin erlebt seit Jahren mehr Hitzetage – also Tage mit über 30 Grad – und mehr sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Besonders betroffen sind Dachgeschosse, Wohnungen mit großen Fensterflächen und Räume mit West- oder Südausrichtung. Das Problem: Mehrere heiße Tage hintereinander lassen Wände, Böden und Möbel immer weiter aufheizen. Das Umweltbundesamt hat in einer Studie nachgewiesen, dass einzelne Maßnahmen gegen Überhitzung angesichts des Klimawandels nicht mehr ausreichen, stattdessen sind mehrere Maßnahmen in Kombination notwendig. Positiv: Viele davon sind kostenlos. Die wichtigsten Maßnahmen 1. Tagsüber Fenster geschlossen halten Ist es draußen wärmer als drinnen, kommt die Hitze bei geöffnetem Fenster direkt herein. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Fenster und Türen tagsüber möglichst geschlossen zu halten. Das fühlt sich zunächst widersprüchlig an – ist aber der erste und entscheidende Schritt. 2. Morgens und nachts konsequent querlüften Ganz einfach: Lüften, solange es dunkel und damit kühler ist. Die wirksamste Lüftungsmaßnahme ist die Nachtlüftung: Mehrere Fenster gleichzeitig öffnen und Durchzug erzeugen, damit die gespeicherte Wärme mehrere Stunden aus der Wohnung entweichen kann. Sobald morgens die Außentemperatur wieder steigt, Fenster schließen. Die Faustregel ist einfach: Ist es in der Wohnung wärmer als draußen, Fenster öffnen. Ist es draußen wärmer als drinnen, Fenster schließen. Cornelius Grüger vom Projekt „Zu Haus in Berlin“ der Verbraucherzentrale Berlin nennt ein konkretes Beispiel: „Liegt die Außentemperatur bei 34 Grad und drinnen sind es 27 Grad, sollten Fenster und Türen geschlossen bleiben.“ Wichtig sei auch tagsüber kurz zu lüften – insbesondere nach dem Kochen oder Duschen, damit die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung nicht zu stark steigt. 3. Räume abdunkeln – und zwar rechtzeitig Egal ob mit Plissees, Vorhängen, Rollo oder Jalousien: Abdunkeln hilft. Foto: iStock Rollos, Vorhänge oder Jalousien sollten bereits geschlossen werden, bevor die Sonne ins Zimmer scheint. Wer wartet, bis der Raum erhitzt ist, hat den effektivsten Moment verpasst. Grundsätzlich gilt: Außenliegender Sonnenschutz ist am wirksamsten, weil die Wärme gar nicht erst in den Raum gelangt. 4. Sonnenschutzfolien als günstige Alternative Wer keine Außenjalousien hat, kann innenliegende Sonnenschutzfolien auf die Fensterscheibe aufbringen. Die Folie – eine dünne, selbstklebende oder statisch haftende Schutzschicht – wird direkt auf die Glasfläche aufgebracht und reduziert den Wärmeeintrag durch das Fenster deutlich, während sie Tageslicht durchlässt. Innenliegende Folien können MieterInnen in der Regel ohne Rücksprache anbringen, weil sie rückstandslos entfernbar sind. Wichtig: Bei modernen Doppelscheiben empfiehlt sich aus technischen Gründen die Außenmontage, bei Einfachverglasung – etwa in Altbauten – ist die Innenmontage unproblematisch. 5. Ventilator clever nutzen Wirkungsvoller Klassiker: der Ventilator. Foto: AdobeStock Ventilatoren senken nicht die Raumtemperatur, aber die Luftbewegung kühlt die Haut spürbar. Sie verbrauchen dabei 20- bis 50-mal weniger Strom als Klimageräte. Am wirkungsvollsten ist ein Ventilator nachts, wenn die Außenluft kühler ist und bereits gelüftet wurde. 6. Wärmequellen im Haushalt reduzieren An heißen Tagen sollte nicht noch zusätzlich Wärme produziert werden, zum Beispiel beim Kochen. Foto: iStock Elektrische Geräte wie Fernseher, Computer oder Drucker produzieren im Dauerbetrieb Wärme. Wer sie aussteckt statt sie in den Standby-Modus zu schicken, senkt die Wärmelast im Raum. An besonders heißen Tagen lohnt es sich außerdem, Herd und Backofen zu meiden. Kalte Speisen, Salate oder Grillen im Freien sind die angenehmere Alternative – und wer dabei Inspiration braucht, findet Sommerrezepte hier auf sowohntberlin.de. 7. Teppiche und schwere Textilien entfernen Textilien speichern Wärme. Im Sommer kann es helfen, Teppiche aufzurollen, schwere Vorhänge durch leichtere zu ersetzen und das Bett auf dünne Laken umzustellen. Die kühlste Luft sammelt sich in Bodennähe – wer in Hitzeperioden näher am Boden schläft, profitiert davon direkt. 8. Das Schlafzimmer besonders schützen Tagsüber konsequent abdunkeln, abends intensiv lüften – das Schlafzimmer braucht besondere Aufmerksamkeit, weil schlechter Schlaf durch Hitze die Gesundheit dauerhaft belastet. Ein Ventilator im Schlafzimmer kann die gefühlte Temperatur so weit senken, dass ein erholsamerer Schlaf möglich wird. Was wirklich hilft – und was nicht Ein kurzer Faktencheck: ✔ Nachtlüftung – die effektivste Einzelmaßnahme überhaupt✔ Außenliegender Sonnenschutz – hält Hitze bereits vor dem Glas auf✔ Ventilator – senkt die gefühlte Temperatur, braucht wenig Strom✔ Sonnenschutzfolien – günstige und mieterfreundliche Ergänzung ➖ Mobile Klimageräte (Monoblock) – kühlen, aber ineffizient und laut; der Abluftschlauch muss sinnvoll abgedichtet werden, sonst verpufft der Effekt ✖ Dauerlüften bei 35 Grad – pumpt heiße Luft aktiv hinein✖ Nasse Handtücher überall in der Wohnung – der Kühleffekt durch Verdunstung ist real, aber kurzlebig. Cornelius Grüger rät, die Luftfeuchtigkeit im Blick zu behalten. „Ideal sind 40 bis 60 Prozent, messbar mit einem Thermo-Hygrometer. Wer nasse Tücher aufhängt, erhöht die Luftfeuchtigkeit im Raum, was das Schimmelrisiko steigern und die Raumluft drückend und unangenehm machen kann. Gut auswringen und regelmäßig lüften bleibt daher Pflicht.“ Was darf man in der Mietwohnung – und was nicht? Dieser Abschnitt beantwortet eine Frage, die jedes Jahr tausende BerlinerInnen umtreibt – und die in den meisten Hitzeschutz-Ratgebern unbeantwortet bleibt. Genehmigungspflichtig – immer erst mit der Vermieterin sprechen: Fest installierte Split-Klimaanlagen mit Wanddurchbruch und Außengerät an der Fassade gelten mietrechtlich als bauliche Veränderung und erfordern die schriftliche Zustimmung der Vermieterin Außenjalousien und Markisen mit Fassadenbefestigung Außenrollläden – Eingriff in die Bausubstanz Sonnenschutzfolien außen – wegen der Fassadenwirkung ebenfalls zustimmungspflichtig Meist problemlos – ohne Genehmigung nutzbar: Mobile Ventilatoren – keine Einschränkung Mobile Monoblock-Klimageräte auf Rollen sind ohne Genehmigung erlaubt, weil sie keine bauliche Veränderung darstellen. Der Abluftschlauch wird durch ein leicht geöffnetes Fenster geführt, dies gilt mietrechtlich nicht als Eingriff. Wichtig ist eine gute Fensterabdichtung, sonst strömt warme Außenluft nach und der Kühleffekt verpufft. Innenliegende Sonnenschutzfolien – rückstandsfrei entfernbar, in der Regel erlaubt Innenliegende Rollos und Vorhänge – keine Einschränkung Bei Unsicherheit gilt: lieber kurz mit der Vermieterin absprechen. Wer eine schriftliche Zustimmung hat, ist auf der sicheren Seite. Kühle Wohnung im Sommer, das Wichtigste in Kürze Am meisten bringt die Nachtlüftung. In den kühlen Stunden früh morgens und nachts wird konsequent quergelüftet, tagsüber bleiben die Fenster dagegen geschlossen. Ebenso wichtig ist das rechtzeitige Abdunkeln der Räume, am besten schon bevor die Sonne hineinscheint. Ein Ventilator sorgt für zusätzliche Abkühlung, und wer Wärmequellen wie elektrische Geräte konsequent ausschaltet, hält die Wärmelast im Raum niedrig. Titelfoto: iStock
Kühle Wohnung im Sommer, das Wichtigste in Kürze Am meisten bringt die Nachtlüftung. In den kühlen Stunden früh morgens und nachts wird konsequent quergelüftet, tagsüber bleiben die Fenster dagegen geschlossen. Ebenso wichtig ist das rechtzeitige Abdunkeln der Räume, am besten schon bevor die Sonne hineinscheint. Ein Ventilator sorgt für zusätzliche Abkühlung, und wer Wärmequellen wie elektrische Geräte konsequent ausschaltet, hält die Wärmelast im Raum niedrig.
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