Wenn Lernen zum Krampf wird: Wie Eltern ihren Schulkindern helfen können 24. Februar 2026Lesedauer: 6 Min. Das zweite Schulhalbjahr hat frisch begonnen und die Herausforderungen werden nicht kleiner. Was bei Hausaufgaben und anderen Lernaktivitäten hilft? Hier kommen zehn Lerntipps, die erfrischend wenig mit klassischem Pauken zu tun haben. Der Stuhl ist hart, der Tisch zu hoch, und irgendwo im Nebenzimmer läuft der Fernseher. Im Kopf schwirren noch Mathe, Pausenhof und der Streit mit einem Mitschüler herum. Die Folge: Vor dem Heft liegt der Stift – unbenutzt. Lernen fühlt sich gerade ziemlich doof an, nach Pflicht. Und vor allem nach zu viel. Jetzt Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen! E-Mail Ich stimme zu, dass die Gewobag mir per E-Mail den Newsletter zusendet und dabei die auf mich bezogenen Nutzungsstatistiken auswertet. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Abonnieren So oder ähnlich startet der Nachmittag in vielen Familien. Nicht, weil Kinder keine Lust haben, zu lernen. Sondern weil der Schulalltag ziemlich dicht geworden ist. Die Tage sind lang, die Stundenpläne voll, hinzu kommen verschiedene Erwartungen. Zu Hause soll dann funktionieren, was in der Schule schon schwerfiel. Warum Lernen heute so anstrengend ist Studien belegen: Schulbezogener Stress und damit verbundene Ängste beeinflussen sowohl die Leistungsentwicklung als auch das Wohlbefinden von Schulkindern. Gleichzeitig konkurriert das Lernen mit allem, was ablenkt: Smartphones, Chats, Videos, Spiele. Der Kopf bleibt selten frisch genug, um Neues aufzunehmen. Hausaufgaben sind für viele Schulkinder mit Frust verbunden. Foto: Freepik Was dabei manchmal fehlt, ist ein Zuhause, das Lernen nicht zusätzlich erschwert, denn gut gemeinte Unterstützung kann schnell kippen. Aus Hilfe wird dann Druck, aus Motivation Erwartungshaltung. Laut BildungsforscherInnen brauchen Kinder physische und emotionale Sicherheit, Selbstwert und Selbstwirksamkeit, verlässliche und unterstützende Beziehungen, ein respektvolles Umfeld und mutmachende Lernerfahrungen. Untersuchungen zu Stress und Lernen bei Schulkindern zeigen, dass dauerhaft erhöhte Stressniveaus mit Aufmerksamkeitsproblemen und geringerer Lernleistung verbunden sind. Eine ruhige, verlässliche Atmosphäre zu Hause stärkt hingegen Konzentration und Motivation. Kommunikation als zentraler Faktor Eltern können den Stoff erklären, Vokabeln abfragen oder Aufgaben kontrollieren. Wirklich wirksam ist jedoch etwas anderes: die Art, wie Lernen begleitet wird. Kinder merken sehr genau, ob es beim Lernen um sie geht oder nur um Ergebnisse. Das zeigt sich oft in kleinen Momenten. Wird nach einer Note zuerst gefragt: „Warum nur eine Drei?“, schwingen schnell Enttäuschung und Vorwurf mit. Echte Zugewandtheit zeigt sich eher in Fragen wie: „Wo hat es denn geklemmt?“ „Hilfe ist nicht immer das, was Kinder bei den Hausaufgaben brauchen. Oft ist es Vertrauen.“Natalia Kowalski, Akademie Lernpädagogik Konstruktives Feedback beschreibt Beobachtungen statt Bewertungen. Statt „Du hast schon wieder nicht aufgepasst“ wirkt „Die letzten Aufgaben waren fehlerfrei, nur bei den Textaufgaben hakt es noch. Woran könnte das liegen?“ unterstützend. So entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe, kein Verhör. Auch der Unterschied zwischen Begleiten und Kontrollieren spüren Schulkinder. Nebenan erreichbar zu sein, signalisiert Vertrauen. Daneben sitzen und jeden Schritt zu kommentieren, fühlt sich schnell nach Misstrauen an. Echte Unterstützung beginnt deshalb nicht mit Erklärungen, sondern mit den Gewissheiten: Frust darf da sein. Pausen sind kein Scheitern. Nicht jeder Tag ist gleich produktiv. Ein stabiles Lernumfeld entsteht dort, wo Vertrauen wichtiger ist als Tempo. Wo nicht ständig verglichen wird, weder mit Geschwistern noch mit früher. Wenn es gelingt, eine solch konstruktive Atmosphäre zu schaffen, wandeln sich Fehler in Lernschritte um, die SchülerInnen wirklich weiterbringen. 10 Lerntipps, die anders ansetzen 1. Den idealen Lernplatz? Gibt es nicht. Der „perfekte“ Schreibtisch mit Ordnungssystem hilft wenig, wenn man sich dort nicht wohlfühlt. Manche SchülerInnen lernen konzentrierter am Küchentisch, andere auf dem Boden oder auf dem Bett. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern die Atmosphäre. Begleitung der Hausaufgaben auf Augenhöhe. Foto: Freepik Was nicht förderlich ist: flackerndes Licht, ein ständig laufender Fernseher im Hintergrund oder ein Platz, an dem permanent Durchgangsverkehr herrscht. Hilfreicher sind einfache Standards: gutes, blendfreies Licht, eine Sitzmöglichkeit, die Bewegung zulässt. Ein aufgeräumter Bereich signalisiert für viele: Jetzt ist Fokus dran. Der Lernplatz muss nicht perfekt sein, aber er sollte Konzentration möglich machen. 2. Zehn gute Minuten Eine halbe Stunde mit Widerstand bringt weniger als zehn konzentrierte Minuten. Lernen funktioniert besser in überschaubaren Einheiten, die Erfolgserlebnisse ermöglichen. Kleine Häppchen verhindern großen Frust. 3. Endgegner: Stillsitzen Still sitzen ist für viele Kinder die größte Hürde beim Lernen. Dabei muss Bewegung nicht immer groß oder laut sein, um zu wirken. Schon ein Wechsel der Körperhaltung kann helfen: Aufgaben im Stehen am Tisch bearbeiten, zwischendurch die Arme strecken oder die Schultern kreisen. Auch das Schreiben auf einem Klemmbrett an der Wand oder an einer Tür kann helfen. Beim Vokabellernen hilft es vielen, dabei auf- und abzugehen. Manche Kinder profitieren von kleinen „Bewegungsankern“: beim Auswendiglernen jeden Begriff mit einer Geste verbinden oder Rechenwege mit dem Finger in die Luft schreiben. Das aktiviert zusätzliche Sinne und festigt Inhalte oft besser als reines Stillsitzen. Nicht jede Bewegung sieht nach Sport aus. Manchmal reicht es, den Körper mitzunehmen, damit der Kopf folgen kann. Für zappelige Lerntypen können kleine Hilfsmittel Wunder wirken: ein Balancekissen unter dem Po, ein spezielles Gummiband um die Stuhlbeine, auf dem die Füße wippen können, ein Ball zum Quetschen in der Hand. Bewegung bindet überschüssige Energie – und macht den Kopf frei. 4. Stille ist kein Muss Ruhe ist nicht für alle gleich förderlich. Während manche völlige Stille brauchen, hilft anderen ein gleichmäßiger Hintergrundsound, um sich besser zu fokussieren. Naturgeräusche, Regen oder sogenanntes White Noise können Ablenkungen ausblenden und die Konzentration stabilisieren. Wichtig ist nicht das Geräusch selbst, sondern Konstanz, also keine wechselnden Reize. Offene Lernorte im Quartier Als Alternative zur Wohnung finden sich in vielen Gewobag-Quartieren offene Lernorte oder anderweitige Lernangebote. Drei Beispiele: An der Heerstraße Nord und im Falkenhagener Feld in Spandau bieten drei Familienwohnungen im Kiez eine ruhige und lernfreundliche Umgebung. Im Lernort in der Reinickendorfer Rollbergesiedlung finden Kinder, Jugendliche und Eltern Unterstützung, Inspiration und einen ruhigen Platz zum Durchstarten. In der Kiezstube des Quartiers Tegel Süd gibt es ein wöchentliches Nachhilfeangebot. 5. Pausen machen klug Bewegung, frische Luft oder einfach Nichtstun helfen dem Gehirn, Gelerntes zu verarbeiten. Wer Pausen streicht, verlängert das Lernen und verkürzt die Konzentration. 6. Erklären ist King Stoff laut zu erklären, als würde jemand anderes ihn lernen müssen, festigt Wissen stärker als stilles Wiederholen. Ob Geschwister, Eltern oder Kuscheltier: Lasst es euch vom Schulkind erklären! 7. Motivation ist Queen Belohnungen wirken kurzfristig. Nachhaltiger ist das Gefühl: Ich habe das selbst geschafft. Genau dieses Erleben stärkt die sogenannte intrinsische Motivation – also den Antrieb von innen heraus. Die große Frage: Wie lässt sich das fördern? Erstens: Fortschritte sichtbar machen. Statt nur auf die Note zu schauen, hilft ein Blick auf den Weg. „Letzte Woche waren es noch zehn Fehler, heute sind es vier“ macht Entwicklung greifbar. Kleine Lernprotokolle oder abgehakte Etappen zeigen, dass es vorangeht. Zweitens: Mitbestimmung ermöglichen. In welcher Reihenfolge werden die Aufgaben erledigt? Wann beginnt die Lernzeit? Wer Entscheidungen treffen darf, erlebt mehr Selbstwirksamkeit. Gemeinsames Lernen mit Freude – auch an Fehlern. Foto: Freepik Drittens: Anstrengung würdigen, nicht nur das Ergebnis. „Du hast dich heute richtig lange konzentriert“ stärkt mehr als „Gut gemacht“. So verschiebt sich der Fokus vom Resultat auf den Einsatz. Und manchmal hilft ein kleiner Perspektivwechsel: Statt „Ich kann das nicht“ sollte es immer heißen: „Ich kann das NOCH nicht.“ Dieses kleine Wort öffnet eine Tür, statt sie zu schließen. 8. Kleine Challenges „Heute drei Vokabeln mehr als gestern“ klingt unscheinbar, wirkt aber stark. Kleine, selbst gesetzte Herausforderungen machen Fortschritt sichtbar und schaffen Motivation ohne Druck. Nicht das große Ziel zählt, sondern die tägliche Bewegung nach vorn. 9. Besser gemeinsam Ein fester Lerntermin mit FreundInnen kann Wunder wirken – kommt auf einen Versuch an. Nicht als Dauerbeschallung, sondern als klar verabredetes Zeitfenster: Dienstag, 17 Uhr: Vokabelcheck. Verbindlichkeit, Austausch und das Gefühl, nicht allein zu sein, erhöhen die Motivation oft mehr als jede Ermahnung. 10. Manchmal hilft: aufhören Wenn nichts mehr geht, geht oft wirklich nichts mehr. Überforderung ernst zu nehmen und einen Lernblock zu beenden, kann produktiver sein als sich um jeden Preis durchzukämpfen. Lernen braucht auch Grenzen. Lernen muss nicht perfekt sein Nicht jeder der genannten Punkt passt zu jedem Schüler oder jeder Schülerin. Hilfreich ist, wenn Eltern die Situation mit ihrem Schulkind besprechen. Was wünscht es sich? So lässt sich ein Deal aushandeln. Anschließend kann man testen, ob er funktioniert. Und: Manchmal ist auch einfach Nachhilfe angesagt. Schulische Förderangebote oder Lerncoaching sind kein Zeichen von Versagen, sondern von Aufmerksamkeit. Lernen ist ein individueller Prozess, der nie linear verläuft. Das eigene Zuhause kann den Lernprozess nicht perfektionieren. Aber es kann ihn leichter machen: mit Ruhe, Verständnis und der Gewissheit, dass Schulleistung niemals über Wert und Liebe entscheidet. Online-Tools und Tipps Instagram-Kanäle für Eltern Hilfreiche Tipps für erfolgreiches Lernen. learnlearning.withcaroline akademie.lernpädagogik mitkindernlernen Lern- und Nachhilfe-Apps für SchülerInnen SofatutorPhase6 Simpleclub YouTube-Kanäle für SchülerInnen Simpleclub und musstewissen bietet für viele Fächer separate Kanäle an. Außerdem: Terra X plus, Checker Welt, Wissen macht Ah! KI-Tools Mit Angaben zu Fach, Klassenstufe und Thema lassen sich von der KI schnell zusätzliche Übungsaufgaben oder einen Quiz erstellen. Auch einfache oder alternative Erklärungen werden hier ausgespuckt. ChatGPT Perplexity.ai Claude.ai Titelfoto: Freepik
Offene Lernorte im Quartier Als Alternative zur Wohnung finden sich in vielen Gewobag-Quartieren offene Lernorte oder anderweitige Lernangebote. Drei Beispiele: An der Heerstraße Nord und im Falkenhagener Feld in Spandau bieten drei Familienwohnungen im Kiez eine ruhige und lernfreundliche Umgebung. Im Lernort in der Reinickendorfer Rollbergesiedlung finden Kinder, Jugendliche und Eltern Unterstützung, Inspiration und einen ruhigen Platz zum Durchstarten. In der Kiezstube des Quartiers Tegel Süd gibt es ein wöchentliches Nachhilfeangebot.
Gesunde Pausensnacks für Schulkinder Die Ansprüche sind hoch, doch die Zeit ist meist knapp: Pausensnacks für die Schule sollen nicht nur lecker, sondern auch gesund sein. Wie sich dieses Kunststück mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand meistern lässt, erklärt Kochbuchautorin Julia Radtke.
Eis, Eis, Baby: Diese DIY-Schultüte ist zum Anbeißen Eine Schultüte so cool wie eine Eiskugel in der Waffel an einem heißen Sommertag? Kein Problem! Mit diesem einfachen DIY-Projekt lässt sich ein individuelles Einschulungsgeschenk zaubern, das den ersten Schultag unvergesslich macht.