Einsamkeit: Warum Begegnungsorte im Quartier immer wichtiger werden 31. März 2026Lesedauer: 4 Min. Volle Straßen, volle Busse, volle Cafés – und trotzdem fühlen sich viele Menschen in Berlin allein, auch und gerade an Feiertagen. Manchmal beginnt der Weg aus der Einsamkeit mit etwas ganz Einfachem: einer offenen Tür im Quartier. Der Raum im AWO-Treff an der Hofackerzeile in Charlottenburg ist auf Besuch vorbereitet. Auf dem Tisch stehen Tassen, daneben liegen Bingokarten, in einer Schale ein paar Schokoladeneier. Bald wird hier gelacht, gespielt, Kaffee getrunken. Noch ist es still. Gerade an Feiertagen wie Ostern wird diese Stille für manche Menschen besonders laut. Während andernorts Familien zusammenkommen, merken einige erst recht, dass niemand vorbeikommt oder anruft. Doch Einsamkeit endet nicht mit dem Feiertag. Für viele gehört sie zum Alltag – oft unsichtbar und mitten im Quartier. Jetzt Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen! E-Mail Ich stimme zu, dass die Gewobag mir per E-Mail den Newsletter zusendet und dabei die auf mich bezogenen Nutzungsstatistiken auswertet. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Abonnieren Einsamkeit hat viele Gesichter Alleinsein ist nicht automatisch ein Problem. Viele Menschen genießen es sogar, Zeit für sich zu haben. Schwierig wird es erst, wenn soziale Kontakte fehlen, obwohl man sie sich wünscht. Studien wie das Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung zeigen, dass bestimmte Gruppen ein höheres Risiko haben, sich einsam zu fühlen. Dazu gehören unter anderem: ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität Menschen mit geringem Einkommen Alleinerziehende Menschen mit Behinderung Zugezogene ohne soziales Netzwerk Auch in Berlin ist Einsamkeit kein Randphänomen. Gerade in Großstädten wirkt das oft widersprüchlich: Tausende Menschen leben dicht beieinander – und fühlen sich trotzdem allein. Umso wichtiger sind Orte im Quartier, an denen Kontakte unkompliziert möglich sind, zum Beispiel die Kiezstuben der Gewobag. Von Einsamkeit spricht kaum jemand Ostern gilt als Fest der Familie. Genau deshalb merken manche Menschen in diesen Tagen besonders deutlich, wenn niemand anruft oder vorbeikommt. In der AWO Kontakt- und Beratungsstelle in Charlottenburg-Nord taucht das Thema immer wieder auf – selten direkt, meist zwischen den Zeilen. Regelmäßige Verabredungen beugen der Einsamkeit vor. Foto: Freepik „Das Wort einsam benutzt eigentlich kaum jemand“, sagt Cornelia Rheinsberg, stellvertretende Vorsitzende des AWO-Kreisverbands Berlin-Nordwest und Leiterin der Kontaktstelle. „Die Menschen erzählen eher von Problemen im Alltag.“ Manche brauchen Hilfe bei einem Formular, andere kommen wegen eines Arzttermins oder einer Behördensache. Doch oft zeigt sich im Gespräch, dass mehr dahinter steckt. „Viele haben einfach niemanden mehr, mit dem sie über solche Dinge sprechen können“, sagt Rheinsberg. Wenn kleine Hürden groß werden Einsamkeit entsteht selten von heute auf morgen. Häufig entwickelt sie sich schleichend im Alltag. Für ältere Menschen kann schon der Weg aus der Wohnung zur Herausforderung werden – etwa wenn Mobilität eingeschränkt ist oder der nächste Treffpunkt weiter entfernt liegt. Aber auch Jüngere geraten manchmal in solche Spiralen: nach einer Trennung, einem Jobverlust oder wenn Freundeskreise auseinanderziehen. „Manchmal scheitert es an scheinbar kleinen Dingen“, sagt Rheinsberg. „Jemand fühlt sich abends unsicher oder traut sich nicht mehr, allein irgendwo hinzugehen. Dann bleibt man immer öfter zu Hause – und irgendwann wird das zur Gewohnheit.“ Ein Treffpunkt – besonders für SeniorInnen In der Kontakt- und Beratungsstelle der AWO Berlin-Nordwest, einem Kooperationspartner der Gewobag, setzt man bewusst auf niedrigschwellige Angebote. Große Veranstaltungen sind hier selten. Wichtiger sind regelmäßige Treffen. Ein Klassiker ist der Sonntagstreff „Gemeinsam statt einsam“. Bei Kaffee und Kuchen wird geredet, gespielt oder einfach zusammen gesessen. Auch der Bingo-Nachmittag ist beliebt. Dazu gibt es oft ein gemeinsames Mittagessen und später Kaffee und Kuchen. Viele der BesucherInnen sind SeniorInnen aus dem Quartier, für die solche Termine zu wichtigen sozialen Fixpunkten geworden sind. Insbesondere ältere Menschen nehmen die Angebote in Nachbarschaftstreffs gern an. Foto: istock/shapecharge „Die Angebote wirken vielleicht unspektakulär“, sagt Rheinsberg, „aber sie sind unglaublich wichtig. Die Menschen wissen: Hier ist jede Woche jemand da.“ Nebenbei entstehen Gespräche, Bekanntschaften, manchmal sogar Freundschaften. Zusätzlich gibt es Beratungsangebote, etwa zu Rentenfragen, Mietschulden oder sozialen Leistungen. Beziehungen bringen neue Beziehungen Auffällig ist, dass die meisten Gäste bei ihrem ersten Besuch nicht allein kommen. „Oft bringt jemand eine Nachbarin oder einen Bekannten mit“, erzählt Rheinsberg. „So entstehen neue Kontakte ganz nebenbei.“ Dieses Prinzip funktioniert besonders gut im Quartier. Denn Orte wie Nachbarschaftszentren sind leicht erreichbar und vertraut. Damit möglichst viele Menschen davon erfahren, setzt die AWO nicht nur auf digitale Kanäle. Ein Schaukasten mit Programmübersicht vor dem Pavillon informiert auch diejenigen, die nicht online unterwegs sind. Was gegen Einsamkeit helfen kann Einsamkeit verschwindet selten von allein. Entscheidend sind kleine, regelmäßige soziale Kontakte. Hilfreich können beispielsweise sein: feste Termine außer Haus, etwa in Gruppen oder Treffpunkten kleine Routinen schaffen, zum Beispiel feste Spaziergänge oder gemeinsame Mahlzeiten nachbarschaftliche Begegnungsorte, zu denen man einfach spontan hingehen kann das Mitbrignen einer weiteren Person zu einem Treff Feiertage bewusst planen, statt einfach „hineinzurutschen“ sinnstiftende Aktivitäten wie Ehrenamt oder Engagement gezielt Kontakt aufnehmen, auch telefonisch oder digital Viele Menschen profitieren von einer Balance aus bewusster Alleinzeit und sozialen Kontakten. Gerade an Feiertagen kann diese Mischung helfen, nicht in belastende Isolation zu geraten. Ein Ort, an dem jemand wartet Am Nachmittag füllt sich der Raum der AWO in der Hofackerzeile langsam. Stühle rücken, Tassen klirren, jemand begrüßt eine Bekannte mit einer kurzen Umarmung. Eine Frau legt ihre Jacke über die Stuhllehne und sagt: „Heute gewinne ich beim Bingo.“ Die erste Zahl wird aufgerufen und sofort geht ein Raunen durch den Raum. Es sind kleine Szenen wie diese, die zeigen, warum solche Orte im Quartier wichtig sind. Für viele Menschen bedeuten sie viel mehr als nur einen netten Nachmittag. Einsamkeit verschwindet selten durch ein einzelnes Ereignis. Aber sie wird kleiner, wenn es Orte in der Nachbarschaft gibt, an denen regelmäßig jemand wartet. Und manchmal beginnt alles mit einer offenen Tür und einer Tasse Kaffee. Titelfoto: istock/Hirurg
Von Fitness bis Nachbarschaftshilfe: clevere Apps als Alltagshelfer Mit den richtigen Apps können Smartphones das Leben spürbar erleichtern – gerade für SeniorInnen. Warum es sich für ältere Semester lohnt, zur neuen Technik zu greifen und welche Anwendungen empfehlenswert sind.
Imman Alraai – die gute Seele vom Emstaler Platz Im Gewobag-Quartier Tegel Süd gilt sie als „Bürgermeisterin der Herzen“: Imman Alraai bereichert ihr Wohnumfeld mit herausragendem sozialen Engagement – und das seit vielen Jahren. Nun ist sie für ihr Wirken ausgezeichnet worden.