Mädchen (unscharf, Profil) sprüht Herz an Häuserwand, im Hintergrund schaut sich Christian Rothenhagen die bunte Wand an

Kinder verschönern ihre Nachbarschaft

Auf dem Boden liegt ein aufgeklappter Koffer, darin stapeln sich Farbdosen. Auf einem Bogen Packpapier liegen Schablonen bereit. Wenig farbenfroh war die Rückseite der Garage am Kurt-Schumacher-Damm. Immer mal wieder haben sich hier Jugendliche mit Parolen und Schmierereien verewigt, schön war das nicht.

Kinder malen mit dem Künstler Christian Rothenhagen

Deshalb machen sich nun einige Kinder aus der Berliner Paul-Hertz-Siedlung gemeinsam mit dem Berliner Künstler Christian Rothenhagen daran, die Garagenfassade bunt und fröhlich zu gestalten. Den Hintergrund hat der Maler schon Tags zuvor aufgetragen. Grüne Hügel wölben sich vor einer angedeuteten Stadtsilhouette in Nebelgrau.

Mädchen mit medizinischer Maske über Mund und Nase sprüht Herz an Häuserwand, die bereits bunt verziert ist mit Herzen und Tieren.
Halley aus der Paul-Hertz-Siedlung zeichnet und malt gerne. Bei der Kunstaktion der Gewobag konnte sie sich kreativ ausleben. Foto: Johannes Schneeweiß

„Weiße Wände finde ich doof, aber diese Wand hier, die wird schön.“

Daniel, 10 Jahre

Blumen und Schmetterlinge – Kunst an der Wand

Doch schon bald bevölkern kleine und große Häschen, Blumen, Herzen und Schmetterlinge das Grün vor der Stadt. Der zehnjährige Daniel hält eine Schmetterlingsschablone vor die Wand und besprüht sie mit violetter Farbe. „Es macht Spaß, mit meinen Freunden zusammen zu sein und sowas zu machen“, sagt er. „Weiße Wände finde ich doof, aber diese Wand hier, die wird schön.“ Die kleine Halley sprüht ein rotes Herz auf die Wiese an der Wand. „Ich male und zeichne sehr gerne. Zu Hause habe ich ein Zeichenbuch“, sagt die Achtjährige, die jetzt schon weiß, dass sie später einmal Modedesignerin werden möchte.

Häuserwand bunt bemalt mit grünen Wiesen und bunten Blumen, Tieren, Herzen und Blättern. Kinder (von hinten) malen an die Häuserwand. Im Vordergrund eine Wiese mit Blumen (unscharf)
Schon nach anderthalb Stunden war nichts mehr von langweiligen, beschmierten Garagenfassade zu sehen. Foto: Johannes Schneeweiß

Kunstaktion für Kinder in den Sommerferien

Die Malaktion – eine Win–win–Situation für den Kiez und die Kids. Denn es sind noch Sommerferien, aber nichtalle Kinder haben die Möglichkeit, mit ihren Eltern zu verreisen. Vor ein paar Wochen haben einige Kinder aus der Paul-Hertz-Siedlung am Schwimmunterricht der Wasserfreunde Spandau 04 teilgenommen. Seit Juli 2019 unterstützen das Familienzentrum Jungfernheide und die Gewobag als Hauptsponsor des Vereins solche Aktionen. „Jetzt freuen wir uns, dass wir ihnen etwas Kreatives anbieten können und die Eltern damit ein wenig entlasten“, sagt Katharina Scholz vom Familienzentrum Jungfernheide, das eng mit der Gewobag vor Ort vernetzt ist.

„Mit Aktionen wie diesen erleben die Kinder Selbstwirksamkeit. Sie sind sehr stolz, etwas geschaffen zu haben“, sagt Christian Rothenhagen. Beim Malen sammeln die Kids Erfahrungen und erschließen sich neue Welten. „Es passiert ja nicht gerade oft, dass Eltern ihren Kindern zum Spielen eine Sprühdose in die Hand geben“, so der Künstler und lacht.

Häuserwand mit buntem Anstrich. Grüne Wiesen und darauf sind bunte Blumen, Kronen, Herzen und Tiere zu sehen. Im Vordergrund sind Blumen (unscharf) auf einer Wiese zu sehen.
Blumen, Hasen und Schmetterlinge bevölkern nach der Kunstaktion die Garagenwand. Foto: Johannes Schneeweiß

Stadtkunst ist Christian Rothenhagens Metier

Seit den 1990er-Jahren dokumentiert der Künstler städtische Entwicklungen in Berlin und in San Francisco. „Es interessiert mich zu sehen, wie Städte sich verändern. Was verschwindet? Welche neuen Dinge entstehen dafür an der Stelle?“ Die Zusammenarbeit mit der Gewobag als große städtische Wohnungsbaugesellschaft freut ihn daher ganz besonders. Vor allem liebt der Künstler die Arbeit mit Kindern. Regelmäßig gibt er Workshops und Zeichenkurse für Kinder von Gewobag-MieterInnen. Nicht nur in der Nachbarschaft in der Nähe seines Ateliers im Bülowkiez. Immer wieder ist er mit seinen Zeichenstiften, Farbrollen und Sprühdosen auch in den Großsiedlungen in Spandau, Tegel, Reinickendorf und Charlottenburg Nord unterwegs.

Der Berliner Kiez bekommt ein buntes Gesicht

Kinder wollen kreativ sein, davon ist Christian Rothenhagen überzeugt. Die Augen leuchten, wenn sie das erste Mal Kunst schaffen. „Kids finden es toll, wenn man das, was sie machen, auch tatsächlich Kunst nennt.“ Und wenn die vielen hundert Menschen, die tagtäglich am Jakob-Kaiser-Platz in die U-Bahnen und Busse steigen, an keiner gräulichen Garage mehr vorbeihetzen, sondern eine bunt bemalte Wand sehen, dann können die Kinder sagen: Schaut her, das haben wir gemacht!

Nachdem die Kinder ihre Schablonen wieder eingesammelt und die Sprühdosen zurück in den Koffer gelegt haben, reiben sie sich ihre mit Farbe beklecksten Hände. Das war es schon? Die Zeit verging wie im Flug. „Hey Christian, und wann bemalen wir die nächste Wand?“

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