Lutz-Freitag-Preis: Auszeichnung für zwei echte Vorbilder 27. April 2026Lesedauer: 5 Min. Die Boxer Murat Yildirim und Friedrich Hippel sind die ersten Träger des Lutz-Freitag-Preises der Stiftung Berliner Leben. Ihre Wege sind geprägt vom Isigym Boxclub – und inspirieren längst andere junge Menschen. Die ganze Decke hängt voller Flaggen. Sie stehen für die vielen Herkunftsländer der Mitglieder des Isigym Boxsport Berlin e.V. – und dafür, dass in der Potsdamer Straße 152 in Schöneberg-Nord Integration gelebt wird. Die Boxsäcke, die normalerweise darunter hängen, liegen ausnahmsweise am Rand. Sie machen Platz für eine große Leinwand, diverse Aufsteller und eine lange Tafel mit einem bunten Buffett. Wie Boxen neue Perspektiven schafft An diesem Aprilabend wird es in den Isigym-Räumlichkeiten besonders würdevoll zugehen. Mit Murat Yildirim und Friedrich Hippel werden zwei Sportler aus den eigenen Reihen mit dem Lutz-Freitag-Preis der Gewobag-Stiftung Berliner Leben geehrt – einer Auszeichnung, die Menschen würdigt, die andere bewegen. Es ist das erste Mal, dass dieser mit je 1.500 Euro dotierte Preis verliehen wird. Murat Yildirim ist anzumerken, dass ihm der Preis viel bedeutet. Als er nach dem kleinen Einspieler, der ihn und Friedrich Hippel porträtiert, vor die Gäste tritt, sagt er: „Bei dem Video musste ich ein, zwei Tränen wegdrücken. Das ist unsere Leidenschaft.“ Preisträger Murat Yildirim mit Dr. Anne Schmedding von der Stiftung Berliner Leben. Foto: City-Press GmbH Viele Jugendliche sind der Einladung zur Preisverleihung gefolgt. Foto: City-Press GmbH Nicht nur sportlich stark: Die Preisträger Murat Yildirim und Friedrich Hippel. Foto: City-Press GmbH Er habe auch eine kleine Rede vorbereitet, ob er die vortragen dürfe, fragt er höflich. Dr. Anne Schmedding von der Stiftung Berliner Leben, die an diesem Abend durchs Programm führt, überlässt ihm gern die Bühne: „Viele junge Sportler glauben, es gehe beim Boxen nur um Technik, Kraft oder Siege“, sagt Murat. „In Wirklichkeit geht es um Disziplin, Geduld und die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Du wirst öfter verlieren als gewinnen – im Training, im Wettkampf und manchmal auch gegen dich selbst. Der entscheidende Unterschied ist nicht, wer am meisten Talent hat, sondern wer bereit ist, dranzubleiben, wenn es hart wird“, sagt er. WM-Teilnehmer und Nationaltrainer Murat wollte eigentlich kein Boxer werden. Er kommt aus Kreuzberg. Auf den Straßen hatte er häufig Schläge kassiert, daraus wollte er nicht unbedingt einen Sport machen. Dann aber ließ er sich von seinem Onkel in die Boxschule schicken – und traf dort auf Izzet Mafratoglu. „Ich kenne Murat, seit er so klein war“, sagt der Leiter des Box-Clubs und hält eine Hand auf Höhe seiner Hüfte. Damals war Murat sechs Jahre alt. Jetzt Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen! E-Mail Ich stimme zu, dass die Gewobag mir per E-Mail den Newsletter zusendet und dabei die auf mich bezogenen Nutzungsstatistiken auswertet. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Abonnieren „Er hat alles mitgemacht, hat zugehört, war fleißig und diszipliniert“, erzählt Izzet Mafratoglu. Die Folge: Schnell wurde Murat einer der besten Boxer Berlins. An zwei Weltmeisterschaften nahm er teil und lernte auch dadurch seine Frau Ekaterini kennen, die ebenfalls Boxerin ist. Sie überredete ihn weiterzumachen, als er zwischenzeitlich aufhören wollte. Heute ist der 29-Jährige Trainer für die Nationalmannschaften am Bundesstützpunkt in Berlin. Förderung durch Gewobag und Stiftung Berliner Leben Dass junge Menschen die Chance haben, sich so zu entwickeln wie Murat, liegt auch an Izzet Mafratoglu, der 2007 nach seiner erfolgreichen Boxkarriere den von der Gewobag und der Stiftung Berliner Leben geförderten Boxclub Isigym gegründet hat. Seither unterstützt er dort junge Menschen – im Sport, aber auch auf ihrem Lebensweg. 2023 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz. „Izzet hat einen großen Anteil daran, dass ich heute der bin, der ich bin“, sagt Murat. „Er ist wie Familie für mich.“ Stolz: Izzet Mafratoglu, Inhaber und Cheftrainer des Isigym Boxsport Berlin e.V., hat die beiden Preisträger maßgeblich geprägt. Foto: City-Press GmbH „Wir sind stolz, dass wir vorbildliche Sportler für das Land und für die Stadt auf der internationalen Bühne positioniert haben. Ohne die Gewobag und die Stiftung Berliner Leben würde das nicht funktionieren“, sagt Izzet Mafratoglu. Im Projekt „Wir aktiv. Boxsport & mehr“ werden Kindern und Jugendlichen nicht nur soziale Werte wie Fairness, Disziplin und Teamgeist vermittelt, sie erhalten auch Unterstützung bei schulischen Leistungen und der Berufsorientierung. Aus schüchternem Jungen wird ein Berliner Meister Friedrich Hippel kam vor zweieinhalb Jahren durch einen Schulfreund in den Club. Bereits jetzt ist er Berliner Meister und Deutscher Vizemeister. Auch er wird mit dem Lutz-Freitag-Preis ausgezeichnet. „Fritz ist ein sehr disziplinierter Junge. Als er das erste Mal hier reingekommen ist, war er super schüchtern und ich dachte mir: Aus diesem schüchternen Jungen machen wir einen selbstbewussten Jungen“, sagt Izzet Mafratoglu. Ist als Sportler und Persönlichkeit enorm gewachsen: Friedrich Hippel. Foto: City-Press GmbH Früher sei er eher ängstlich gewesen, habe sich nicht viel zugetraut und hatte auch Probleme in der Schule. „Hier habe ich auf jeden Fall Selbstbewusstsein dazugewonnen“, sagt Friedrich. Das ist auch seiner Familie aufgefallen: „Ich finde, er ist selbstbewusster, frecher und auf jeden Fall disziplinierter“, sagt Mutter Nadine Hippel. „Und er achtet mehr auch seine Ernährung und ist zielstrebiger“, ergänzt seine ältere Schwester Anna. Vater Stephan gibt zu: „Am Anfang war ich skeptisch, ob das hier der richtige Platz ist zum Sport treiben – die Umgebung, das Boxen. Aber das war Quatsch. Es ist eine respektvolle Atmosphäre und mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, dass er das gefunden, was ihm Spaß macht und wo er Gas geben kann.“ Projekt mit großer Wirksamkeit Der Start in das Projekt „Wir aktiv. Boxsport & mehr“ war allerdings mit viel Überzeugungskraft verbunden, verrät Kerstin Kirsch. Die frühere Managerin der Stiftung Berliner Leben hat die Boxinitiative ab 2010 begleitet und unterstützt. „Boxen hatte damals ein eher verruchtes, kämpferisches Image und wir mussten viel Kommunikationsarbeit leisten – auch um gegenüber unseren Mieterinnen und Mietern zu erklären, warum die Gewobag Boxen unterstützt. Heute ist es eines der erfolgreichsten Projekte“, sagt Kerstin Kirsch, die für die Preisverleihung aus Potsdam angereist ist. Dr. Hans-Michael Brey, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Berliner Leben, bei der Verleihung des Lutz-Freitag-Preises. Foto: City-Press GmbH Auch der Namensgeber des Preises, Lutz Freitag, hatte sich aus Hamburg auf den Weg nach Berlin gemacht, doch aus gesundheitlichen Gründen musste der langjährige Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Berliner Leben auf die Reise verzichten. „Lutz Freitag setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft die Chance auf ein erfülltes und stabiles Leben haben. Dies hat er vor allem durch seine Tätigkeiten als Gewerkschafter und Sozialpolitiker vorangetrieben. Das hat uns auf die Idee gebracht, diesen Preis nach ihm zu benennen“, erklärt Dr. Hans-Michael Brey, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Berliner Leben. Die Hoffnung, dass Lutz Freitag beim nächsten Mal selbst vor Ort sein kann, schwing mit. Der nach ihm benannte Preis soll nun regelmäßig verliehen werden. Lutz-Freitag-Preis Die Stiftung Berliner Leben setzt mit dem Lutz-Freitag-Preis ein starkes Zeichen für Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die verbindende Kraft von Bildung, Kultur und Sport. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen, die durch ihre Zielstrebigkeit, ihr Engagement und ihren Einsatz für demokratische Werte hervorstechen. Künftig wird der mit je 1.500 Euro dotierte Preis jedes Jahr an zwei engagierte Persönlichkeiten vergeben, die sich aktiv für die Gesellschaft und ihre demokratischen Werte einsetzen. Mehr zur Auszeichnung Titelfoto: City-Press GmbH
Lutz-Freitag-Preis Die Stiftung Berliner Leben setzt mit dem Lutz-Freitag-Preis ein starkes Zeichen für Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die verbindende Kraft von Bildung, Kultur und Sport. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen, die durch ihre Zielstrebigkeit, ihr Engagement und ihren Einsatz für demokratische Werte hervorstechen. Künftig wird der mit je 1.500 Euro dotierte Preis jedes Jahr an zwei engagierte Persönlichkeiten vergeben, die sich aktiv für die Gesellschaft und ihre demokratischen Werte einsetzen. Mehr zur Auszeichnung
So cool war Wissenschaft noch nie! Ein Knall, ein Lachen, bunte Farbspritzer: Der neue, kostenlose Workshop „Mix it. Shake it. Spray it.“ im URBAN NATION Museum verbindet Kunst auf spielerische Weise mit Wissenschaft und produziert dabei einzigartige Streetart-Werke. Mitmachen lohnt sich!
Neuer Raum für Zauber Ein Fußballplatz, ein Basketballcourt und viele strahlende Gesichter: In der Reinickendorfer Rollbergesiedlung haben Kinder und Jugendliche seit Oktober neue Anlaufstellen. Über eine starke Co-Produktion – und einen Volltreffer fürs Quartier.